Fort, Hunger! komm! wir wollen essen! Mein Tisch ist allbereits gedeckt! Da sind die Polster zwar vergessen, Auf welche man die Glieder streckt,
Doch unser aufgeräumt Gesichte Zeigt auch bey harten Bretern an, Daß sich des Körpers Gleichgewichte Demselben anvertrauen kann.
Wie steht es aber um die Trachten? Wie sieht es um die Gläser aus? O Mahl! das höher noch zu achten, Als der Poeten Götter-Schmaus;
Nach der zuvor gemachten Mühe Versöhnen wir des Magens Wuth, Da schmeckt uns auch die schwarze Brühe Der scherzenden Spartaner gut.
Hat mit den jungen Elamiten Wohl Cyrus besser sich gepflegt? Die Eßbegierde läßt sich bieten, Was ihr das Glücke vorgelegt,
Ganz junge Kräuter, die noch heute Der Morgenthau begeistert hat, Sind ihre frische Mittags-Beute In dem erleichternden Sallat.
Ich darf, die Zunge zu ergetzen, Und andern Sinnen sanft zu thun, Ein Heer nicht in Bewegung setzen, Viel Hände können vor mir ruhn;
Trägt mir die Erde nur noch Früchte, Bäckt mir der Ofen kräftig Brodt, So schickt der Mittag sein Gerichte, Und überhebt mich aller Noth.
Nie saget mir der Haus-Calender, Wenn Fluß und Wald sein Wildpret häuft: Ich mag nicht, daß der Bratenwender Sich bey mir aus dem Oden läuft;
Vergnügt, in dem gelobten Lande Schmeckt mir auch halbgeschmelzter Kohl, Aus einer Schüssel schlechtem Rande, Mit einem Stücke Rindfleisch wohl.
Zufriedenheit nimmt eine Stelle An meines Tischgens Viereck ein; Horaz muß auch ein Mitgeselle, Mein Gast bey dieser Mahlzeit seyn:
Die Mässigkeit steht hinter beyden, Sie hält den Teller in der Hand, Wir können ihre Sprache leiden, Jhr Scherz ist lehrreich, voll Verstand.
Kommt, Sybariten! gebt doch Stühle! Lucull! nimm auch vorlieb mit mir! Jhr Herrn! hier sind zwar keine Pfühle, Auch setz ich nur Gekochtes für ‒ ‒
Wie? was? ihr weltberufne Richter Der besten Welt der Kocherey, Zeugt durch verzogene Gesichter, Wie schlecht ich von Geschmacke sey?
Gut! seht denn zu, wenns euch beliebet, Jhr seyd vielleicht von gestern satt, Seht, was man hier dem Hunger giebet, Wie wenig er vonnöthen hat;
Wie kurz der Weg, ihn zu vergnügen, Er braucht kein Vorbereitungs-Jahr, Kein Schiff, das eine See durchstiegen, Nicht was Numidien gebahr.
Ein lustig aufgeräumt Gemüthe Hat meine Kost recht wohl gewürzt; Mein Gast Horaz ist von der Güte, Und hat mir oft die Zeit verkürzt;
Er, der mit seinem Hausgesinde Bey Speck und Bohnen seinen Schmaus Mir wiederholt, den ich verbinde, Was zu erzehlen von der Maus
Wie wird mir da! von Neidern ferne Legt sich die Freyheit doppelt für; Mir gönn ich alles herzlich gerne, Ich spreche: wohl bekomm es mir!
Und ohne weiteres Gelüsten Vergnügt sich der gepflegte Bauch, Er sucht sich niemahls zu entrüsten, Wie sollt er? es bekommt ihm auch!
Was? lüstert die verwöhnte Zunge Nicht nach dergleichen Mittagsmahl? Allein ihr steht schon auf dem Sprunge, Aus diesem meinen Freudensaal?
Gut! gehet denn von hier in Friede, Jhr Kenner menschlicher Natur! Jedoch mit diesem Unterschiede: Jhr urtheilt durch die Zunge nur.
Hier schmeckt ein Trunk! der Hand Gelenke Kommt in Bewegung, her du Glas, Worein ich oft die Sorgen senke, Mir winkt dein röthlichbraunes Naß;
Ich habe Lust, dich auszuleeren, Weßwegen bist du sonsten da? Dein Fuß soll sich zu oberst kehren ‒ ‒ Das kühlet unvergleichlich! ha!
Fort! holla! hurtig! eingeschenket! Noch eins, und denn das dritte noch! Es lebe, was oft mein gedenket! Es lebe, was mich liebet, hoch!
Wenn ich oft so die Lippen wasche, So schmeckt es als der beste Wein Aus Jupiters Burgunder-Flasche, Ich aber bin beständig mein.
Mich zwingt kein fremdes Wohlergehen, Jtzt meinem eignen Tort zu thun, Wer will Gesundheit trinken sehen, Der lasse doch die meine ruhn!
Ich bin geneigt, sie aufzuheben, Man gab sie mir, sie ist es werth. Man isst und trinket, nur zu leben, Mit nichten aber umgekehrt.
Gottlob! mein Körper ist versorget Auf einen ganzen langen Tag! Sein Unterhalt war nicht geborget, Daß er ihn morgen finden mag!
Ich bin vergnügt, als wie ein König, Und ebenfalls wie er so satt! Ein Mensch hat auch gewiß nicht wenig, Der frohen Muth und Speisen hat.
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