Ey! wie lieb ich doch die Stille Dieser grünen Einsamkeit! Wo des Frühlings bunte Fülle Der Natur geblümtes Kleid
Dem verirrten Auge zeiget, Und, wenn alles um mich schweiget, Geist und Lust die Leyer stimmt, Hier, wo in dem Fürstengange
Mein Vergnügen mit Gesange Heute seinen Anfang nimmt. Anmuth, die ich mir verspreche, Nichts auf Erden ist dir gleich!
Unsrer Kugel Oberfläche Wälzet sich ins Schattenreich; Phöbus zeiget mir im Bilde Sein durchlauchtiges Gefilde,
Hier an diesem Ort der Ruh, Frey von Wolken, Sturm und Wettern, Mir nur unter Lindenblättern Hört er noch halb schläfrig zu.
Alles ruht, auch selbst die Lüfte, Welche Friedrichs Thal belebt, Schleichen taumelnd in die Grüfte, Bis die Stille sie begräbt;
Die beschwerten Tagewerke Rüsten sich zu neuer Stärke, Wo der Schlaf die Glieder streckt; Nur mein Geist, erlöst von Sorgen,
Fühlet einen Freudenmorgen, Der sein Denken aufgeweckt. Bäume! euer lispelnd Weben, Als des Zephirs Odem blies,
Zeiget dem zufriednen Leben Das verlohrne Paradies; Hier soll mich die Tugend rüsten, Daß mir nie ein stolz Gelüsten
Fall und Sturz bewirken mag, Da bemerket mein Verlangen, Was für Wunder angefangen Mit dem dritten Werdungstag.
In die Luft gesetzte Wände, Die nur Schatten unterbaun, Nicht gemacht durch Menschenhände, Scheint das Auge hier zu schaun;
Ein halb ungewisses Schildern Täuscht mit fast belebten Bildern, Nach des Zeuxes klugem Riß; Und man glaubet sich von weiten
In den wundervollen Zeiten Ninus und Semiramis. Unter eintrachtsvollen Ranken, Die der Lenz beblättern läßt,
Feyren ruhige Gedanken Hier ein Lauberhütten-Fest; Führten die verstrichnen Tage Mich durch Wüsten mancher Plage
In den Kreuzgang einer Welt; O! nun ist er durchgestiegen, Canaan! dich seh ich liegen! Land, das mir so wohlgefällt!
Wohlbewahrt vor bangem Schrecken, In dem Schoos der Sicherheit, Seh ich in durchbrochnen Hecken Ein Revier der Lustbarkeit,
Wo die Nymphen an der Leine Jhrer Göttin Silberscheine Manchen Tanz, manch Lied gebracht; Wo verliebter Sehnsucht Klagen,
Durch viel ungestümes Fragen Echo endlich stumm gemacht. Grüngewölbte lange Strassen, Die kein Blick kann übergehn,
Scheinen mir noch sehn zu lassen Jene Gänge von Athen, Und die Schulen weiser Griechen, Kaum bin ich hier durchgestrichen,
So empfind ich neue Kraft. Diese Oerter, hier im Stillen, Oeffnen, vor Verstand und Willen, Eine neue Wissenschaft.
Denn da lern ich mich bezwingen, Werde meiner recht bewußt, Und die Tugend zu besingen Heisset mir die größte Lust;
Meiner Muße Daurungs-Kürze Richt ich zu mit Salz und Würze, Die Geschicht und Fabel reicht, Bis der Füsse Langsamsetzen
Unvermerkt, doch mit Ergetzen Weiter in die Dämmrung schleicht. Gleich verfall ich in Gedanken, Die kein Pinsel zeichnen kan,
Bey der Folge ersten Schranken Land ich mit Vergnügen an; Jtzt entdeck ich, was vor diesen Man von jener Zeit gepriesen,
Die Saturnus eingeführt; Und mich dünkt im Dunkelkühlen Wirklich an mir selbst zu fühlen, Wie glückseelig er regiert.
Aus dem tiefen Ueberlegen Wieder zu mir selbst gebracht, Geh ich dem Geräusch entgegen, Das mir anfangs Grauen macht,
Ungestüme Wasserwogen, Welche Kunst und Zwang betrogen, Brausen mit ergrimmter Wuth, Und sind auf sich selbsten böse,
Daß ein klapperndes Getöse Jhrer Freyheit Einhalt thut. O! wie werd ich denn entzücket! Ey! wie bin ich ausser mir!
Wenn mein Sehen um mich blicket, Himmels-Lust befällt mich hier! Eine Gegend sonder Ende, Wo des Jahres milde Hände
Kostbarkeiten ausgelegt, Wo dem schweifenden Gesichte Frühling, Sommer, Herbst Gerichte Seltner Art entgegen trägt.
Anherr! der du zwar geschaffen Aber nicht gebohren bist, Sprich, nachdem du ausgeschlaffen, Ob dir so gewesen ist?
Als in Edens Lust-Alleen Du dein ander Ich gesehen Und den Bau von deinem Bein? Doch ich kanns ohnmöglich glauben!
So wie mich? du wirst erlauben! Dieses kann ohnmöglich seyn! An des Silberbaches Rande, Der bald wieder ruhig fließt,
Eil ich zum Gelobten Lande, Wo mir neue Lust entsprießt. Auf den Höhen gegen Osten Seh ich manchen Einfall rosten,
Den die Baukunst erst verwarf; Wo, nach einer kurzen Dauer, Man in schon verfallner Mauer Einsten nichts bewundern darf.
Sich zu weit verlaufne Strahlen Von des Lichtherrn Majestät Haben, durch ihr schimmernd Malen, Diesen Erdstrich recht erhöht;
Grauer Felder falbes Grünen, Das im Fernen blau erschienen, Westwärts gülden eingefaßt, Scheinet bey der Dämmrungsschwäche,
Als bedeckt die Oberfläche Ueberirdischer Damast. Und was wird mir erst gezeiget, Da mein nimmer satter Fuß
Auf den kleinen Seeberg steiget, Wo er sich erholen muß! Da spricht sein gehemmtes Laufen: Steine! wie? ihr liegt bey Haufen?
Doch das Auge kennt sie schon, Weil sie ihm wie Schlacken scheinen Von den ausgesäten Steinen Pyrräh und Deukalion.
Wie gefällt doch meinen Blicken Dieser ungemeßne Raum! Wo es auf der Ebne Rücken Glänzt, wie grüner Wellen Schaum,
Mich bezaubern jene Wiesen, Wo die Bäume, gleich den Riesen, Mit behaarten Häuptern stehn, Unter deren Mittags-Schatten
Schäfer das Vergnügen hatten, Jhre Heerden satt zu sehn. O! wie schimmert jener Spiegel Dort das feuchte Element!
Wo manch schüchternes Geflügel Die beschilfte Freystadt kennt, Wo man in den blanken Gründen Einen Luftkreis meynt zu finden;
Husten ähnlich heisch Geschrey Reges, klatscherndes Gewimmel Zeiget fast, daß hier ein Himmel Für die nassen Bürger sey.
Sieh! wie winken jene Gipfel Meine Lust an sich zu ziehn, Die von aller Bäume Wipfel Bloß in grüne Ferne fliehn,
Dort, des grossen Seebergs Spitzen, Die in Donnern, Hageln, Blitzen Zeigen, wie sie standhaft sind, Die ein sparsam Glück verpfleget,
Deren Scheitel nicht beweget Schnee und Regen, Sturm und Wind. Tiefer Höhlen krumme Gänge, Winkel ohne Tag und Licht
Schicken Leiber in der Menge Täglich für mein Angesicht, Die in diesen dunkeln Grüften Sich manch frühes Denkmahl stiften,
Und aus Sand Metall erschreyn; Doch der ist vor ihr Gewerbe Mehr als ungewisses Erbe, Besser als der Weisen Stein.
Dort blüht manch verfallen Stücke Abgelebter Herrlichkeit, So verschworner Jahre Tücke Unter ihren Fuß gestreut,
Mühlberg, Wachsenburg und Gleichen, Der Verwüstung milde Zeichen Sieht man bey euch eingedrückt, Fürchterliche Nationen,
Geister mögen euch bewohnen, Die der Pöbel sonst erblickt. Gnug, ich sehe mit Ergetzen Noch den Frühling eurer Pracht,
Andre mögen sich entsetzen, Die der Wahn zu fürchten macht; Schlangen, Fledermäus und Eulen Mögen sich bey euch verweilen,
Jhr Genist ergetzt mich kaum; Nur im Zeitbuch kann ich lesen, Was ihr ehedem gewesen. Eines macht dem andern Raum.
Ey! wie ruhn doch alle Sachen, Und wie müd ist die Natur! Völker! laßt den Himmel wachen, Träumt von eurem Glücke nur,
Das nach eurem Schlafenlegen Mitten in dem Abendsegen Euch auf dessen Ursprung lenkt, Kann euch ja noch was erwecken,
O! so ists ein falsches Schrecken, Wenn ihrs zu verliehren denkt. Höchsterwünscht ist Ort und Stätte, Da ich mich nun umgewand,
O! welch eines Wahnsinns Kette Fesselt Sinnen und Verstand! Hügel, die mir Stufen zeigen, Wie man kann zum Himmel steigen,
Der Planeten Welten sehn, Wie sie eigne Strassen reisen, Und sich in bestimmten Kreisen Schwimmend um die Sonne drehn.
Was gebiehrt mir das für Freude! Wenn ich erst den Wunderbau Inselsberg, der Augen Weyde, Dich in blauer Hoheit schau!
O der ungemeßnen Höhen! Wo man auf den Wolken gehen, Und die Welt verachten lernt, Die ein ungeneigt Geschicke
Von dem Gnadensonnen-Blicke Unsers Friederichs entfernt. Du bist durch dein funkelnd Glänzen Dieser Länder Diamant,
Du behauptest an den Gränzen Deinen himmelhohen Stand, Wo an einem ieden Morgen Ausgeruhet, frey von Sorgen
Der Bewohner munter wird. Fürst der Berge! dir zu Ehren Soll man mich einst singen hören, Wenn ein gut Gestirn regiert!
Schaaren aufgethürmter Spitzen Sind den Augen angenehm, Weil sie unsre Gränzen schützen, Werden sie zugleich beqvem,
Berg und Wälder, die sie tragen, Können schon mit Furchten schlagen, Und uns heißt der Muth ein Scherz. Feinde! nun! zerschellt die Rippen,
Kommt! seht unwegsame Klippen, Aber denn ein männlich Herz. Ach! daß mir die Dämmrung gönnte; Daß ich so zufrieden bin!
O! wenn ich doch sprechen könnte: Hüter! ist die Nacht schier hin? Aber ich muß mich beqvemen Abschied von der Welt zu nehmen,
Bis auf künftig Wiedersehn, Füsse! seyd mir noch behende, Eure Wallfahrt ist zu Ende, Auf! lasst uns von hinnen gehn!
O! da seh ich mit Vergnügen, In der Dämmrung braunen Licht, Meinen offnen Hafen liegen, Gotha, meine Zuversicht!
Wohlvergnügt mit meiner Leyer Halt ich jährlich da die Feyer, Welche mir der Tag bereit, Feld, Allee, und Berg, und Wiesen
Müssen schallen von Luisen, Und von Friedrichs Gütigkeit. Göttin! Deren reinen Sinnen Nur, was schön ist, wohlgefällt;
Würdige doch mein Beginnen, Ob es gleich schlecht unterhält, Wisse, daß von meinem Dichten Eine mit der größten Pflichten,
Deiner Tugend Lobspruch sey; Durch Luisen Dorotheen Wünsch ich einst berühmt zu sehen Mich und meine Schilderey.
Gott und Friedrich, nebst der Tugend, Denn Luise nur allein, Sollen nach verstrichner Jugend Meines Hoffens Losung seyn;
Auch daran nur zu gedenken, Das muß mir Vergnügen schenken Mitten in der Einsamkeit. Tage des betrübten Lebens!
Wißt, ihr martert mich vergebens, Hier ist Trost, Zufriedenheit. O! wie lieb ich nun die Stille Solcher grünen Einsamkeit!
Hätte doch des Schicksals Wille Hier für mich den Sitz bereit, Ey! was wollt ich einst erzehlen! Ordnete mir ein Befehlen
Scheitelpunkt und Himmelsstrich, Da würd ich voll Geist erheben: Himmel! laß Luisen leben! Segne meinen Friederich!
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