Ists wahr, was ich im Geiste sehe, Durch eine lange Dunkelheit? Wie? steigt mein Heyland in die Höhe, Aus Qval und tiefer Niedrigkeit?
Verblendet mich ein falsches Träumen? Ein Nichts? was sagt mein Glaube? nein! Wohlan, so will ich nichts versäumen, Denn wo Er ist, da muß ich seyn.
Nur fort! ich folge meinem Triebe! Mein Vorsatz ist, ich laß Jhn nicht, Bis seine grosse Menschenliebe Mir seine Herrlichkeit verspricht;
Was? sollt ich so alleine leben? In Ungewißheit ängstlich thun? Er muß mir erst Versichrung geben, Denn will ich in der Hoffnung ruhn.
Es bleibt dabey. Wohlan denn, Seele, Auf! eile! fleuch geschwind davon! Vernimm die himmlischen Befehle, Geschwind! die Engel warten schon,
Dort! siehst du nicht den Oelberg liegen? Da wird die Auffahrt vor sich gehn, Da kannst du den Erlöser siegen, Und durch die Wolken steigen sehn.
Er hat das grosse Werk vollendet, Zu welchem Er versehen war, Des Vaters Zorn ist abgewendet, Nun sind wir ausser der Gefahr,
Er hat gethan, was Jhm gebühret, Weil Er durch seines Blutes Macht Uns, wie durchs rothe Meer, geführet, Und zu der Herrlichkeit gebracht.
Nun ist die Dienstbarkeit zum Ende, Sein Volk, sein Jsrael ist frey, Es zeigen die durchbohrten Hände, Daß Er der grosse Führer sey;
Der höllische Tyrann erlieget Mit seinem grossen Heeres-Schwarm; Der Held aus Juda hat gesieget Mit Kraft und ausgerecktem Arm.
Jetzt schallt es nach den Trauer-Klagen Ganz anders um Gethsemane, Des Oelbergs bange Tiefen sagen; Hier sey nunmehr die Freuden-Höh.
Jetzt, Feinde, kommt mit euren Schaaren, Wenn ihr den Meister fangen wollt, Er wird durch Luft und Wolken fahren, Da ihr erst recht erschrecken sollt.
Dort kommt er! mit was holden Blicken Ertheilet er noch Unterricht! Man sieht ein himmlisches Entzücken Bereits in seinem Angesicht,
Ist er nicht Cophers Trauben ähnlich, Indem sein Zuspruch Kraft gewinnt, Die wunderschön und ungewöhnlich Jm Garten zu Engeddi sind?
Die Jünger folgen Jhm, und hören, Und sehn Jhn mit Verwundrung an, Warum Er so besondre Lehren An alle insgesammt gethan;
Sie denken nach, die Herzen schlagen, Sie sehn sich an, und bleiben stumm, Und dennoch scheinen sie zu fragen, Und wissen doch selbst nicht, warum?
Das macht die Liebe, denn sie wissen, Es ist nunmehro bald dahin, Daß sie den Meister lassen müssen, Wenn Er wird von der Erde ziehn;
Er hat den Tröster zwar versprochen, Und sie sind auch der Hoffnung voll, Doch weiß ihr Fleisch, daß Marterwochen, Daß Trübsal ihrer warten soll.
Sie nahen sich dem kühnen Hügel, Der halb bemost das Haupt erhebt, Von dem der Morgenröthe Flügel Nach stiller Nacht die Welt belebt;
Kaum wenig kurze Augenblicke Entfernen noch die Himmelfahrt, Sie streichen nicht umsonst zurücke, Bey dieser letzten Gegenwart.
Ein Wink von seinen heilgen Händen, Ein Wort: Geht in die Welt! ist gnung, So dient ein folgsam Herz dem Senden Zur kräftigen Bestätigung;
Sie sind bereit, den Tod zu leiden, Jm künftigen Apostel-Amt, Doch ihres HErrn und Meisters Scheiden Betrübt und kränkt sie allesammt.
Seht! was geschicht? was wird das werden? Ach hurtig! seht doch nur! geschwind! Der Heyland hebt sich von der Erden, Was säuselt, wie ein Westenwind?
O! mit was vor gelaßner Stille Er seinen grossen Einzug hält, Wie langsam jene Wolkenhülle Sich unter seine Füsse stellt.
Da fährt Er hin! o welch ein Steigen! Er will sich uns zum letztenmahl Als wie die Wolkensäule zeigen, In dem durchstiegnen Himmels-Saal,
Mein starrer Blick verfolgt Jhn weiter, Noch ist Er da, noch seh ich Jhn, Wie Jacobs Traum die Himmels-Leiter, Noch schwebt ‒ ‒ nun ‒ ach ‒! nun ist Er hin!
Die Blicke scheinen nachzufahren, Ein jeder hebt das Haupt empor, Ein jeder will Jhn offenbaren, Wo sich die Sichtbarkeit verlohr,
Bis zu den ungemeßnen Tiefen Vollstreckte man der Augen Lauf, Bis sie entkräftet überliefen, Denn eine Wolke nahm Jhn auf.
Die Jünger sehn sich an, sie schweigen, Sie stehn bestürzt, und wundern sich, Bis sich zwey Himmelsboten zeigen, Gleich als Er dem Gesicht entwich,
Der Himmel hat Jhn aufgenommen, So sprechen sie; was steht ihr da? Er wird dereinsten wiederkommen, Wie Jhn die Liebe scheiden sah.
Sie kehren um, und sind zufrieden Mit dem, was nicht zu ändern steht, Sind sie von ihrem HErrn geschieden, Die Allmacht hat Jhn so erhöht;
Doch was geschieden; denkt zurücke, Was seine Weisheit offenbart, Denn Tage, Stunden, Augenblicke Sind voll von seiner Gegenwart.
Mein Geist fährt durch die Luftreviere Dem grossen Ueberwinder nach, Nun öffnet sich die Himmelsthüre! O! welch ein grosser Freudentag!
Wie wird die Herrlichkeit vermehret, Als diese Menschen-Gottheit kam; Welch Jauchzen! heilig! heilig! höret! Heyl GOtt und dem erwürgten Lamm!
Die Gegend ist noch unentdecket, Die Seeligkeit noch unbekannt, Kein menschlich Aug hat sich erstrecket Bis in das weite Himmelsland,
Unendlich sind die Lustbarkeiten, Wie will die Kraft, so eingeschränkt, Die Unermeßlichkeit bestreiten, Wenn sie an solche Freude denkt!
Zurück denn, Seele! kehre wieder, Und warte, bis du scheiden mußt! Der Körper drückt die Sehnsucht nieder, Der, der beraubt dich noch der Lust;
Doch, willst du gern zum Freudenhügel? Geduld! bis Er den Tröster schickt, Damit Er erst das Heilgungs-Siegel Auf deines Glaubens Kundschaft drückt.
Denn kannst du mit Elias reisen, Wenn GOtt den Himmelswagen schickt; Wer darf dir nun die Wege weisen, Du hast die Strasse schon erblickt?
Gedulde dich! vertraue feste! Der Glaube stärkt die Zuversicht; Denn das ist noch das allerbeste: Dein Heyland lebt und lässt dich nicht.
Du Ehrenkönig! Heyl der Erden! Erlöser! GOtt! und Menschenfreund! Was wollte mit uns Armen werden, Wenn Du es nicht so gut gemeynt?
Wir müßten uns ja selbst verdammen, Das Laster bringet schlechten Lohn; Pech, Schwefel, Dampf und Feuerflammen Verspührte das Gewissen schon.
So aber, HErr! war dein Erbarmen So groß, so unaussprechlich groß, Du trugest uns mit Liebes-Armen In des erzürnten Vaters Schoos,
Du hieltest seines Zornes Ruthen, Du sprachest: Abba! laß geschehn! Ich will für ihre Sünden bluten! Du sollst mich für sie sterben sehn!
O Freund! Du hast es auch bewiesen, Und uns das Leben wieder bracht; Mein Geist hat Dich dafür gepriesen, Als er sich an dein Kreuz gemacht;
Nun will ich auch von Freuden singen, Drum steh ich bey der Auffahrt hier, Es soll durch Luft und Wolken dringen, Holdseeligster! mißfällt es Dir?
Herr! der Du aus des Säuglings Munde Schon eine grosse Macht bereit’t! Vernimm jetzt und zu aller Stunde Den Lobgesang der Niedrigkeit!
Und wollen Dich zugleich dort oben, In einem unerhörten Klang, Der Morgensterne Schaaren loben, So hör auch meinen Lustgesang.
Nun ist der Sieg in unsern Händen, Es liegt des Feindes letzter Rest! Jetzt lasst uns Friedensbotschaft senden, Heut ist das grosse Jubelfest!
Der Sieger eilt durch Luft und Sterne Zum allgemeinen Friedensschluß, Wovon aus der entlegnen Ferne Der Herold nächstens kommen muß.
Mein Bruder ist im Freudenhimmel, In einerley Gewalt mit GOtt! Was frag ich nach Verwesung, Schimmel, Staub, Fäulniß, Asche, Grab und Tod,
Ich fürchte nichts, ob meine Glieder Ein Tag in Dunkelheit begräbt, Der Trost, die Nachricht stärkt mich wieder: Mein Heyland, mein Erlöser lebt!
Er lebt, und wird auch ewig leben, Und durch Jhn stirbt mein Glaube nicht, Er wird mich aus dem Nichts erheben, Wenn Er dereinst: Es werde! spricht.
In Herrlichkeit wird Er mich kleiden, Die mir sein Auferstehn gebracht, Drauf wird mein Aug im Himmel weiden, Wohin Er schon die Bahn gemacht.
Wenn sich des Leibes Pilgerhütte Manch Kummerthal entgegen stellt, So bleib ich doch bey jedem Schritte In der bereits entdeckten Welt,
Und die regiert mein Freund, mein König, Was fehlt mir, wenn mich dieser schützt, Jhm ist zwar alles unterthänig, Doch will Er nichts, als was uns nützt.
Sein Arm kan alles wohl verwalten, Die Weisheit macht die Herrschaft leicht, Einst wird Er einen Reichstag halten, Wenn Er den Richterstuhl besteigt,
O grosser Tag! da mein Gesichte, Das itzt von andern Bildern voll, Bey jenem letzten Weltgerichte Den Fürsten wiedersehen soll.
Wie schön werd ich im Schlaf erschrecken, Der doch so sanft und ruhig war, Wenn die Posaune mich wird wecken, Sammt der zerstäubten Schläfer Schaar!
Wir werden die zerstreuten Knochen, Das morsche faulende Gebein, Das Recht und Wuth verbrannt, zerbrochen, Geschwind bey ihrem Ganzen seyn!
Und o! welch freudiges Entzücken Entsteht schon itzt in meiner Brust! Wenn ich die Gegend werd erblicken, Wo Du den Erdkreis richten mußt!
Die Klarheit, die ich angezogen, Wird nicht mehr zu verblenden seyn, Durch Glanz, durch Licht und Regenbogen Dringt denn das Sehn zu Dir hinein.
So werd ich denn mit Lust erwachen, Wo ich mich gläubig ausgestreckt, Da deiner letzten Donner Krachen Jm Gegentheil die Bösen schreckt:
Angst, Zittern, Furcht, Verzweiflung, Beben, Des andern Todes Pein und Graun, Wird sie aus ihren Kammern heben, Woraus sie sich nicht selbst getraun.
Mir aber, HErr! soll dein Erscheinen Des Hochzeittages Botschaft seyn; Gut! Kreuz und Elend heißt mich weinen, Gieb zu der Aussaat das Gedeyn,
Denn ziehe mich, mein Ach und Sehnen, Weil ich noch walle, schon hinan, Damit auf eine Saat von Thränen Ich dort mit Freuden ernden kann.
Ach! triumphirender Erlöser, Sieh doch von deinem Aufenthalt! Die Zeiten werden immer böser, Die Sehnsucht schreyt: HErr! komm fein bald!
Die Offenbarung ruft und schreyet: Der HErr ist GOtt! der HErr ist GOtt! Da die Vernunft sich doch nicht scheuet Und dir mit einem Kriege droht.
Doch, HERR! es kostet Dir ein Winken, Ein einzig Wetter brauchst Du nur, So muß sie gleich in Abgrund sinken, Und von ihr bleibet keine Spuhr.
Ja, deine Herrlichkeit zu zeigen, Laß, wie bey Babel schon geschehn, Wenn sie sich wird so kühn versteigen, Jhr die Verwirrung wieder sehn.
Du bist, was Du vordem gewesen, Und wirst es seyn, zu aller Zeit, O Menschensohn! Du mein Genesen, Du Ursprung meiner Ewigkeit!
Durch Dich gewinn ich einen Himmel, Wenn ich von Herzen gläubig bin! Der Läugner klug erdacht Getümmel Hat nichts als Thorheit zum Gewinn!
Ich werfe mich in Demuth nieder, Verehre deine Majestät! Dir widmen sich nun meine Lieder, Zu dieser richt ich mein Gebet,
Zu Dir erheb ich Herz und Hände, Die Busse kommt! es bebt ihr Schritt, Dein Mittleramt hat noch kein Ende, Das bey dem Vater mich vertritt.
Der Glaube fleht um deinen Segen, Dein Tröster werde mir geschickt! O! sende diesen Abendregen, Der ein verdorret Land erqvickt.
Es sey mein Lebenslauf hiernieden Zu Dir ein Steigen himmelan, Bis daß ich dermaleinst in Frieden Zu Dir die Auffahrt halten kann.
Tag, welchem ich entgegen sehe Aus Qval und tiefer Niedrigkeit! Mein Auge ziehst du in die Höhe, Von einer trüben Dunkelheit;
Du bist durchaus kein leeres Träumen, Der Heldenglaube saget: Nein! Er eilt! es ist nichts zu versäumen, Bey JEsu ists am besten seyn.
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