Wasser hab ich nur vonnöthen! Hört ihrs! heisses schenkt mir ein! Für die laulichten Poeten Spare Bacchus seinen Wein;
Mir nur soll man Wasser bringen, Dennoch will ich feurig singen, Und bey nüchternem Gemüth Sey das Wasser selbst mein Lied.
Doch bevor ich es geniesse, Eh es meine Geister weckt, Mach es erst ein Balsam süsse, Welcher auch der Seele schmeckt;
Aus den hergesandten Kräutern, Die mir den Geschmack recht läutern, Deren wundervolle Kraft Meinen Körper neu erschafft.
Ehrenpreis! gesunde Pflanze! Die man in der Nähe bricht, Alpen-Stauden, reich am Glanze, Euch verlang ich jetzo nicht;
Jhr seyd reich an Lebenskräften, Und habt öfters meinen Säften Einen neuen Schwung ertheilt, Ja mich innerlich geheilt.
Fremde Kräuter will ich haben, Heysan, Kayserthee, Thebou, Diese sollen mich itzt laben, Und ich sing ein Lied dazu;
In das Wasser gleich Crystallen Laß ich dürre Blätter fallen, Deren Geist in solcher Fluth Bey mir rechte Wunder thut.
Unvergleichliches Getränke! Meiner Leyer später Preis! Wenn ich schlurfend an dich denke, Wird mir um die Stirne heiß;
Dich genieß ich mit Ergetzen, Als ein Labsal von den Schätzen Der großmüthigen Natur, Uns bestimmt zur Wundercur.
Wie kann ich von Glücke sagen! O mein Kummer tröstet sich! Da, wo es beginnt zu tagen, Wirkt noch Sonn und Luft für mich;
Durch ihr thätiges Bezeigen Müssen Nektar-Säfte steigen In so manch vortrefflich Kraut, Das man mir zum Heyl gebaut.
Hab ich sie durch Kunst der Hitze In ihr erstes Seyn verkehrt, Ey! da sind sie meinem Witze Mehr als Gold-Tincturen werth,
Sie erheitern mir die Sinnen, Grillen, die Gewebe spinnen, Fliehen fort, der Geist, erhellt, Siehet eine neue Welt.
Frey von Ungemach und Stürmen, Wird denn Thee mein Ocean, Da schiff ich zu blauen Thürmen, Aufgebaut von Porcellan;
Hört! wie sich die Glocken läuten, Seht die Küsten schon von weiten, Wo Confucius gedacht, Und man uns halb blind gemacht.
Welche platten Angesichter! Gelbe! dünkt ihr euch auch schön? Doch wo ist hierin ein Richter, Dessen Ausspruch kann bestehn!
Die Natur hat euch gestaltet, Und was ihr von der erhaltet, Das ist gut in seiner Art, Weil sie nirgends etwas spart.
Lieben Leute! ey! so denket Doch so mildreich auch von mir, Witz sey meiner Welt geschenket, Welche weit, ach! weit von hier;
Jhr seyd klug, denn eure Werke Zeigen eine Geistes-Stärke, Kommt ihr nicht zu uns herum, Sind wir da deswegen dumm?
Seh ich euren Pöbel wandeln, O! der scheint mir auch nicht klug, Wie der unsrige zu handeln, Ueberall ist Einfalt gnug;
Wie sie dort ins Wasser springen! Hört ihn nur von ferne singen, Weil der Mond verfinstert ist, Damit ihn kein Drache frißt.
Unter euren Mandarinen Trifft man oft viel Pöbel an; Aber sagt auch den Braminen, Daß die Seele wandern kann;
Meine kommt aus fernen Welten, Jhre Sätze nicht zu schelten, Und der Körper sitzt daheim, Bey des Thees Honigseim.
Welch ein Schmerz! vertieft in Denken, Eil ich mit der linken Hand, Auf Gesundheit einzuschenken, Und ich habe mich verbrannt;
Meine Seele fühlt sich wieder, Ach! wie schmerzen mir die Glieder! Strafe folgt auf Unbedacht; China! Japan! gute Nacht!
Alle Lust hat ihre Schranken, Und durch Schmerz wird sie gewürzt; Viele haben durch Gedanken Oft des Uebels Wuth verkürzt;
Möcht ich oft in Elend weinen, Muse! gleich hebt dein Erscheinen, Bey der vollen Tasse Thee, Das Gemüth zu seiner Höh.
Die ihr von dem Wein erhitzet, Auf die Wassertrinker schmählt, Und das Haupt mit Säulen stützet, Weil ihm die Vernunft noch fehlt;
Die ihr schwindelnd nur gestehet, Daß sich unser Erdball drehet, Und Copernicks Satz erfahrt, Seyd nur immer hochgelahrt!
Wißt! es bringt der Thee mich nimmer Um die halbe Menschlichkeit; Täglich ist in meinem Zimmer Jhm ein Opfertisch bereit,
Der Chineser schickt mir Schalen, Mein Gelübde zu bezahlen, Aus der neuentdeckten Welt Wird mir Räuchwerk zugestellt.
Winket, nach vergnügten Träumen, Früh der Morgenröthe Hand, Meine Lagerstatt zu räumen, Wo ich mich erst wiederfand,
O! da eil ich denn geschwinde, Bis ich Kohlen glüend finde, Wo mein feuchtes Element Wallend durcheinander rennt.
Ich besorge mein Gebräude, Das nie umzuschlagen pflegt, Oft erricht ich ein Gebäude, Dessen Grund sich fortbewegt;
Manches Bruchstück, welches schimmert, Wenn ich es zuvor zerdrümmert, Von dem süßgekochten Stein Schließt ein gleiches Dreyeck ein.
Zeigt bey jenen Pyramiden Stolz und Pracht Amenophis, So betracht ich ganz zufrieden Meinen Bau als ungewiß,
Halfen Seufzer, Thränen, Klagen Mir dazu nicht Steine tragen, Gnug, wenn seine Daurungs-Frist Mir nur den Geschmack versüßt.
Doch, eh ich es selbst gedenke, Ist mein Thurmbau schon zerstöhrt, Denn der Hand verkürzt Gelenke Hat ihn bald in Schutt verkehrt;
Stücken wählt sie zum Zerfliessen Um mit Thee sie zu begiessen, Und mir ist der Unbestand Hier zugleich mit vor der Hand.
Wenn darauf in feine Tassen Dieses Manna rauschend fällt, Ey wie werd ich ausgelassen! Mein ist denn die ganze Welt!
Und bey meinem Elemente Bin ich Sultan und Regente, Und gebiet in meinem Reich: Völker! Friede sey mit euch!
Meine Leidenschaften hören, Und begeben sich zur Ruh; Niemand will sich mehr empören, Sonst bestraft ich sie dazu:
Haben meine Vorder-Alten Hier in Deutschland Rath gehalten, Bey gekochtem Gerstensaft, Giebt wohl dieser Weisen Kraft?
Wenn sie doch in langen Zechen Früh bey Thee, wie ich geschmaust! O! da hätte manch Verbrechen Hier mit Römern nicht gehaust;
Ja die guten Biderleute Wären aus so manchem Streite Nicht mit Beulen heimgekehrt. Thee hat kein Gelag zerstört.
Bey den Büchern macht er weise, Schwelgerey wird durch ihn klug; Er verjüngt verliebte Greise, Und den Harpax nährt er gnug;
Er stärkt mein zufrieden Herze, Daß ich mit der Muse scherze, Und läßt meinem Geiste frey, Mich zu fragen: wer ich sey?
Drücket euch, ihr theuren Schönen! Manchmahl ein erzürnter Alp, Thee kann seine Wuth versöhnen, Schon der Rauch verjagt ihn halb.
Werdet ihr geplagt von Dünsten, Eilet zu den Wasserkünsten! Hurtig, Thee! der hilft gewiß In dergleichen Kümmerniß.
Damahls hätt ich leben sollen, Als die Sappho vor Verdruß Von dem Fels sich stürzen wollen; Jtzt erfolgt kein solcher Schluß!
Phaon ist nicht klug gewesen! Hätt er doch mein Lied gelesen! Kinder! trinkt nur Thee vorher, Denn springt ihr gewiß nicht mehr.
Thee hilft feurigen Poeten, Wenn sie übel aufgeräumt, Fast aus allen Geistes-Nöthen, Und ihr Witz wirkt ungesäumt;
Es bekommen ihre Werke Durch ihn neue Kraft und Stärke, Beym Entwurf der Jlias Trunk vielleicht Homer dieß Naß.
Glaubt! Achillens Zorn zu dämpfen, Hätt Ulysses nicht bedurft, Mit Beredtsamkeit zu kämpfen; Wenn der Held doch Thee geschlurft,
Dem das gute Mutterherze, Sie, Frau Thetis, ihm mit Scherze, Statt des Weinens überreicht, Das hätt ihn gewiß erweicht.
Durch ihn lern ich Männer kennen, Die bey Thee oft klug gedacht, Die den Frosch nicht Venus nennen, Und die Zeit wohl hingebracht,
Wenn sie mir noch lassen lesen, Da sie längstens schon verwesen, Als wie Freunde, recht vertraut, Was Verstand und Willen baut.
In ihm seh ich alle Zeiten Vor mir durch die Mustrung gehn, Laster wie Husaren reiten, Tugenden als Bettler stehn;
Und in seinen süssen Zügen Schmeck ich endlich das Vergnügen, Das den Socrates entzückt, Als ihn Fesseln wund gedrückt.
Thee! wie bist du doch zu loben! Wer hat deinen Werth erkannt, Und dich nach Verdienst erhoben, Wer hat dich zuerst gesandt
Hier in diese kalte Gegend? O! sein Nahme sey gesegent! Sagt mir Kenner, wie er heisst, Daß ihn meine Leyer preist.
Reizt bey allzuwenig Funken Mein Gesang dich Ungeduld, Gestern hab ich Wein getrunken, Wirklich! ja! der hat auch Schuld!
Gebt mir Thee bey meiner Leyer, Hört! der Ton klingt schon voll Feuer, Kühner steigt er in die Höh, Gnug! mein Lobgesang ist Thee!
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