Jhr mehr als englischen Gesichter! Jhr Gratien in dieser Stadt! Es war ja nur ein armer Dichter, Den euer Gruß beehret hat!
Euch strahlt aus Minen und Geberden Holdseeligkeit und Edelmuth, Jhr könnet noch wohl Musen werden, Es scheint, ihr seyd den Dichtern gut.
Euch ist die ganze Welt gewogen, Welch eine Wohllust, euch zu sehn! Man spricht, wenn ihr vorbeygezogen: Sind sie nicht allerliebst und schön!
Ich hielte mir vor kein Verbrechen, Sollt ich an Paris Stelle seyn, Die güldne Frucht euch zuzusprechen, Und sagte: Kinder! theilt euch drein!
Mit was für rednerischen Blicken Spielt euer sittsam Auge frey! Sie scheinen niemand vorzurücken, Als ob er deren unwerth sey;
Was Herzen habt ihr doch gefangen, Und ihnen Fesseln angelegt! Ich bin ja nur vorbeygegangen! Wie hat mich euer Gruß bewegt!
Der grüne Gott der Lauberhütten, Und sein bey andern süsser Zwang Legt nur bey Schönen sich aufs Bitten, In unsern so berühmten Gang;
Allwo er vor der Dämmrungskühle, Wenn sich der Sommer eingestellt, Auf manchen prächtigen Gestühle Ein denkend Wesen unterhält.
Hier darf die Schwermuth nicht erscheinen, Da wohnen Lachen, Scherz und Ruh, Die Keuschheit wandelt mit den Reinen, Und höret den Gesprächen zu,
Schwamm kurz vorher ein Aug in Thränen, O! dieser Qvell verseiget hie, Mir aber schwärmen nur die Schönen In der gereizten Phantasie.
Sie, die von dem Geschlecht der Frauen, Durch ihren jungfräulichen Gruß, Mein wohlgesinnet Herz erbauen, Daß es ihn lange fühlen muß,
Schleicht immer unter grünen Ranken, Jhr wirket doch auf mein Gemüth, Ich aber weih euch in Gedanken Bereits mein allerneustes Lied.
Wie heißt man euch, beliebte Schönen? Der Schöpfung letztes Wunderwerk? Denn euch soll mein Gesang ertönen, Jhr seyd der Dichtkunst Augenmerk,
Möcht ich euch kennen! welches Eden Ist eurer Menschlichkeit Behalt? Dürft ihr mit fremder Tugend reden? Hat auch ein Argus da Gewalt?
Ich will euch nur poetisch grüssen, Wie man es dort auf englisch macht, Da pflegt man einen Gast zu küssen, Weil es von Alters hergebracht,
Geruht doch, daß man ebnermassen Mich so bey euch willkommen heißt; Wer diesen Schluß zuerst wird fassen, O! die sey immerdar gepreist.
Die ganze Nachwelt der Poeten, Wenn sie sich einst um Ruhm bemüht, Spielt auf dazu erfundnen Flöten Jhr ein ganz neugemachtes Lied;
Man wird sie unvergänglich halten, Ja selbst der Ewigkeit gestehn; Daß man noch niemahls ohn Erkalten Solch einen schönen Gruß gesehn.
So grüssen sich nur keusche Seelen; Seht! Strephon folget eurem Fuß, Er fängt im Geist schon an zu zählen, Wie lüstert sein vernutzter Kuß!
Er, der die reinen Himmels-Triebe Der Menschlichkeit noch nie gekannt, Und welchen die verbotne Liebe Als einen Helden ausgesandt.
O lerut er nur von milden Blicken, Die ihr dem armen Dichter weiht, Die Kunst, sich liebreich auszudrücken, Der Minen Macht, die Freundlichkeit!
Sein Hut, so alt, als sechzehn Ahnen, Wird allemahl gebückt verehrt, Der sich doch nieman dieses Mahnen Der armen Höflichkeit gekehrt.
Es sind holdseelige Gesichter Der Tugend an Empfehlungsstatt, Aus welchen schon so mancher Dichter Viel Gutes prophezeyet hat;
Kurz; holde Minen und Geberden Erwecken auch dem Timon Muth, Ein wahrer Menschenfreund zu werden, Gnug! man ist ihnen ewig gut.
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