Der Harpax kauft sich Augen, Und pflanzt sie auf die Nase, Denn zählet er Ducaten Mit doppeltem Gesichte;
Er lässet lauter Helden Hier durch die Mustrung gehen. Die Nasen voller Kupfer, Die rothgewordnen Locken
In denen Staats-Perucken An seinen gelben Leuten Kann er ohnmöglich leiden. Sieh! wie er das Gesichte
Bey ieglichem verziehet, Daß die gekauften Augen Sich vor der Stirne regen. Nun hebt er voller Unmuth
Sie aus den gleichen Reihen, Und stellet sie bey Seite, Gedenkt auch schon mit Wucher Sie andern abzutreten.
Hingegen bey Gesichtern, Die fein und lieblich spielen, Verliehrt er seine Runzeln, Wird heftig drein verliebet,
Wie Harpax es kann werden, Daß er sie brünstig küsset, Auch an sein Herze drücket, Worüber ihm der Hunger
Und auch der Durst vergehet. Jedoch ich sehe schärfer Mit meinen eignen Augen, Indem ich Schätze zähle,
Und kann die Augen sparen, Die man erst muß bezahlen. Doch sind es keine Helden Mit goldenen Gesichtern,
O nein! ich zähle Mädchen, Brunetten und Blondinen, Mit weiß und schwarzen Haaren, Mit solchen Rosenwangen,
Als du, o Christiane! So lieblichreizend wiesest. Nur niedliche Gesichter, Die ich sodenn besehe,
Worein ich mich verliebe, Sodenn gleich geizig werde, Um sie nur zu besitzen, Sie nach und nach zu küssen,
Sie an mein Herz zu drücken, Sie tugendhaft zu lieben, Wie geizige Poeten Es sonst zu machen pflegen,
Daß ihnen Wein und Essen Um desto besser schmecke. Wer ist von uns nun klüger?
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