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1709–1763

Der Frühling.

Christoph Eusebius Suppius

Der Frühling kommt gegangen Mit seinen Rosenwangen, Jhm folgen muntre Schaaren Mit Blumen in den Haaren;

Das Lachen, Reizen, Scherzen, Ein Heer verliebter Herzen, Und muntre Liebes-Knaben, Die ihn umringet haben,

Verkündigen den Fluhren Der grünen Hoffnung Spuhren, Und unter seinen Füssen Der jungen Welt Erspriessen.

Bey frischbelaubten Bäumen Winkt mancher Hirt den Träumen, Und sagt dem Westenwinde Was vor von seinem Kinde.

Der Nachtigallen Lieder Bringt Echo doppelt wieder, Indem sie in den Büschen Adonis will erwischen.

Das Federvolk in Chören Läßt sanfte Noten hören, Die auf belaubten Zweigen Nicht von der Liebe schweigen.

Ey! bin denn ich alleine Nicht lebend, und von Steine, Ist Lachen, Spielen, Scherzen Verbannt aus meinem Herzen?

Wie? stöhrt ein schwarzer Kummer Noch ferner Ruh und Schlummer? O Muse, nein! im Kühlen Will ich eins mit dir spielen,

Da noch mit grünen Jahren Sich Scherz und Anmuth paaren, Da soll den Zeitvertreiben Kein Ach mehr übrig bleiben,

Bis daß mit braunen Wangen Der Sommer das Verlangen Der Jugend, und den Lenzen Bekrönt mit Aehrenkränzen,

Der Herbst uns was verehret, Wenn er sein Füllhorn leeret, Bis wir den Kümmernissen Auf Herden opfern müssen,

Wenn uns der Winde Pfeifen Einst heisst die Flucht ergreifen, Denn alle Lust der Erden Muß doch zum Winter werden.

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Der Frühling. · Christoph Eusebius Suppius · Poetry Cove