Der Frühling kommt gegangen
Mit seinen Rosenwangen,
Jhm folgen muntre Schaaren
Mit Blumen in den Haaren;
Das Lachen, Reizen, Scherzen,
Ein Heer verliebter Herzen,
Und muntre Liebes-Knaben,
Die ihn umringet haben,
Verkündigen den Fluhren
Der grünen Hoffnung Spuhren,
Und unter seinen Füssen
Der jungen Welt Erspriessen.
Bey frischbelaubten Bäumen
Winkt mancher Hirt den Träumen,
Und sagt dem Westenwinde
Was vor von seinem Kinde.
Der Nachtigallen Lieder
Bringt Echo doppelt wieder,
Indem sie in den Büschen
Adonis will erwischen.
Das Federvolk in Chören
Läßt sanfte Noten hören,
Die auf belaubten Zweigen
Nicht von der Liebe schweigen.
Ey! bin denn ich alleine
Nicht lebend, und von Steine,
Ist Lachen, Spielen, Scherzen
Verbannt aus meinem Herzen?
Wie? stöhrt ein schwarzer Kummer
Noch ferner Ruh und Schlummer?
O Muse, nein! im Kühlen
Will ich eins mit dir spielen,
Da noch mit grünen Jahren
Sich Scherz und Anmuth paaren,
Da soll den Zeitvertreiben
Kein Ach mehr übrig bleiben,
Bis daß mit braunen Wangen
Der Sommer das Verlangen
Der Jugend, und den Lenzen
Bekrönt mit Aehrenkränzen,
Der Herbst uns was verehret,
Wenn er sein Füllhorn leeret,
Bis wir den Kümmernissen
Auf Herden opfern müssen,
Wenn uns der Winde Pfeifen
Einst heisst die Flucht ergreifen,
Denn alle Lust der Erden
Muß doch zum Winter werden.