Mein Beutel ist sehr schlecht bestellt, Sein leerer Magen brummt und bellt, Der Tisch ist ledig von Gerichten; Das Glas und der October-Saft
Stehn in gar schlechter Nachbarschaft, Und beeder Zwiespalt ist nicht eben leicht zu schlichten. Doch fällt mich Durst und Hunger an, Zwey Feinde stehn für einen Mann,
In meinen Körper einzudringen; Sie folgen billig dem Geschrey, Als ob da offne Tafel sey, Wo man um Mittagszeit hört die Trompeten klingen.
Wiewohl dieß trifft nur immer ein, Wo fürstliche Palläste seyn, Nicht aber bey dergleichen Leuten, Die man nur mit Verachtung speist,
Und die der Hochmuth Pöbel heißt, Die bey der Menschlichkeit die Schlacken nur bedeuten. Drum will ich auf mein Bestes sehn, Und hin zu meines gleichen gehn,
Wo keine solche Lüfte streichen, Wo sich kein Durst noch Hunger findt, Dieweil da keine Menschen sind, Da wohnt nur ich, du, er, wir, ihr, sie, und desgleichen.
Allein da schallt kein hohler Ton, Wo sich der Vater und der Sohn Bey Salz und Brod die Zeit verkürzen; Wo man das Jahr lang Fasten hält,
Ist Mager zwar zum Koch bestellt, Jedoch der Hunger kan auch Kohl u. Bohnen würzen. Auch macht die Einigkeit allein Aus Wasser da den guten Wein,
Der Krug und Gerstensaft sind Brüder, Ein Stroh- und grün bemoostes Dach Verstattet kein gepresstes Ach! Sein Raum erschallet nur von frohe Jauchzern wieder.
Gesundheit geht da aus und ein, Stellt alt und jung in einen Reihn, Heißt Junge lieben, Alte trinken, Sie thun es bis zur Lustigkeit,
Herr Podagra und sein Geleit Darf aus den Städten nicht in diese Zechen hinken. Empfindet man nun keine Noth, Wo Kesselbier, Salz, Fleisch und Brodt,
Und ein Gerichte Kohl mit Liebe, So zieh ich ohne viel Geräusch Vom Mastvieh und von Ochsenfleisch, Das in der Kehlen oft aus Abgunst stecken blie-
Weil ich zufriednes Herzens bin, Will ich zu meines gleichen hin, Und nicht nach hohen Dingen trachten; Da bin ich immer angenehm,
Da fällt mir niemahls unbeqvem, Wenn oft der rothe Thon den schwarzen will ver- Trägt gleich das Feld nicht Knaster da, Und Bohnen aus Arabia,
So kann gebrannte Gerste kühlen, In unsern Fluhren, die man baut, Wächst manch gesundes Tobackskraut, Doch schwitzt kein Sklave da in denen Zucker-
Hingegen siehet man ein Bild, Wenn man die leere Pfeise füllt, Und einsam mit Vergnügen schmauchet, Wie unser Leben bald verstreicht,
Wie schnell die Jugend von uns weicht, Wie bald, wie gar zu bald das Lebens-Oel ver- Auch kann man da durchs Gitter sehn, Wie sich die armen Würmer blähn,
Die aus dem Erdenklos gestiegen, In deren Herzen, wie der Wind, Die Leidenschaften rege sind Zum Kämpfen, bis sie gar die Tugenden besie-
Sie sind in stetem Ueberfluß, Als ob man darum leben muß, Und selten mit sich selbst zufrieden; Sie machen sich das Leben schwer.
O liebes Salzfaß! komm du her, Bey dir ist mir allein ein schöner Theil beschie- Wie ist mir doch so herzlich wohl, Daß ich bey selbstgepflanzten Kohl
Mir selbst soll überlassen werden! Fort! packe dich, verkehrte Welt! Zufrieden ist mein Herz gestellt, Mich macht Genügsamkeit zum Bürger dieser
Mein frölich Herz, erhole dich! Da Kummer, Angst und Sorgen sich Nicht dorten mit dir hin begeben, Wo die gelaßne Ruhe winkt,
Wo deines Vaters Salzfaß blinkt, Da ist die Einsamkeit das rechte Freudenleben.
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