Jhr Winde, still! schweigt, Nachtigallen! Natur und Himmel, hört mir zu! Mein Saitenspiel muß laut erschallen, Der Dichter habe vor euch Ruh;
Zwar sing ich nicht den Gott der Götter, Mein Lied ist nicht der Herr im Wetter, Zu Helden hab ich nicht Beruf; Das konnte Brockes nur erheben,
Das ist der Mann, den sing ich eben, Der malet, wie der Höchste schuf. Wie? soll dem so erhabnen Geiste Ein Lied im höhern Ton entstehn?
Der die Natur so herrlich preiste, Daß sie itzt noch einmal so schön? O nein! den künstigen Geschichten Müßt ihr, ihr Winde! selbst berichten,
Was für Begeistrung mich erregt; Auch euch sey solches unentfallen, Jhr Buschsirenen, Nachtigallen! Wenn euch ein frischer Lenz bewegt.
Mein Lobgesang meynt Brockes Ehre, Und seinen Ruhm ertönt mein Mund; Er macht uns oft die lauten Chöre Der Morgensterne droben kund,
Kein Plato kann von Himmels-Kreisen Der Welt solch einen Wohlklang preisen, Als Brockes diese Sphären stimmt; Von dorther schallet nichts als Wonne,
Wo manche nie entdeckte Sonne Voll von Jehova Wundern glimmt. Ein Orpheus hat hier ausgerichtet, Wozu er sich von selbst geweiht,
Von dieser Welt hat er gedichtet, Und sang doch um die Ewigkeit; Sein Lied war GOtt, in Creaturen Entdeckt er dessen Darseyns-Spuhren,
Und seine grosse Wunderpracht, In der unendlichtiefen Ferne Besucht er gar die Welt der Sterne, Die er erbaulich schimmernd macht.
Er braust in Stürmen, schiesset Blitze, Sein Donner brüllt, es tobt sein Meer, Dieß zeigt er uns in Wuth und Hitze, Doch fürchten wir uns nicht so sehr;
Der Allmacht Wollen hieß: Es werde! Da wurden sie, da ward die Erde, Die Elemente sahen sich; Doch sie bestimmt auch ihre Kräfte,
Sie sind der Vorsehung Geschäfte, Gemalt in Brockes Pinselstrich. Du, Qvell des Lichts! Monarch der Zeiten! Verblendest mir das Auge schon,
Seh ich nur deinen Glanz von weiten, Und dich auf deinem blauen Thron; Nur Brockes Augen ist vergönnet, Daß es dich in der Nähe kennet,
Den hast du lieblich angestrahlt; Damit er dich, in hellen Zügen, Dem Erdenkreise zum Vergnügen, Zum Lobe deines Schöpfers malt.
Du malest jährlich das Gesilde So wunderschön und mannigfalt; Dir zeichnet Brockes nach, im Bilde Erscheinen Felder, Wiesen, Wald,
Gras, Blumen, Abend, Mittag, Morgen; Lenz, Sommer, Winter, Herbst besorgen Das ihnen auferlegte Amt, Man siehet sie bey dem Entstehen,
Auch sichtbarem Vorübergehen, Zu Lob der Gottheit insgesammt. Nicht Berge nur mit ihren Schachten, Jhr himmelhohes höckricht Rund
Giebt uns sein Schildern zu betrachten, Und machet ihre Wirkung kund, Nein, Pflanzen, daß wir sie fast riechen, Selbst Ungeziefer, ob sie kriechen,
Entwirft er uns nach der Natur; Was unerkennbar ist im Kleinen, Lässt alles uns sein Geist erscheinen, Erbaulicher als Reaumur.
Cookies on Poetry Cove