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1709–1763

An den Schlaf.

Christoph Eusebius Suppius

Du Bruder von dem Blassen, Dem Schrecken aller Leute! Geschwinde komm herüber, Ich warte mit Verlangen

Auf deine Schlummerkörner. Hast du nicht hören rufen? Als du bey unserm Nachbar So lange schon vergebens

Jm Kalten klopfen müssen; Der Geizhals will ja wachen Bey fest verschlossnen Thüren Auf seinen vollen Kasten

Und vor dem Zwang-Gewölbe, Worinn er seine Mündel, Das schöne blonde Mädchen, Die tugendhafte Phillis

Aus blossem Neid verschlossen, Dieweil sie dem Poeten Jüngst einen Blick gegeben, Wobey der Vormund dachte,

Sein Mädchen sey nun ärmer, Dieweil sie was verschenket. Drum laß den alten Narren Doch bey den Thalern liegen,

Er mag sein Mädchen hüthen; Komm du zu mir geschlichen Auf leisen leisen Füssen, Es stehn die Thüren offen,

Und hier sind keine Kasten; Bey Büchern will ich schlafen, Wenn du mich eingewieget, Auch von der Blonden träumen;

Wenn das ihr Vormund wüßte! Ich will sie gar besuchen, Mich aus dem Traume küssen, Wie die Poeten pflegen,

Die gar zu gerne küssen, Wird das der Alte hören?

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