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1709–1763

An den April.

Christoph Eusebius Suppius

April! du Blumen-Wiederbringer! Du Stifter unsrer Fröhlichkeit! Wie gern wär ich dein Lob-Besinger, Gern hätt ich dir ein Lied geweiht;

Jedoch dein wandelbar Gesichte Ist diesesmahl so runzelnvoll, Daß dich mein feuriges Gedichte Jm Ernst nicht mehr erhitzen soll.

Wie? haben wir für dein Geschenke Dir nicht vielleicht genug gedankt? Da doch, so viel ich rückwärts denke, Des Volkes Herze nie gewankt;

Ein Herze, das bey ieden Schlägen Der Sinnlichkeit entzückend lehrt; Was für ein ungemeiner Segen Mit dir beständig wiederkehrt.

O! Hoffnungsvoller Sohn vom Lenzen, Verehrungswürdiger April! Laß doch dein freundlich Antlitz glänzen! Du siehest ja, wer opfern will,

Da stehet Altenburg und Gothe In bunter Feyerkleider-Tracht! Und jede winkt dem Abendrothe, Damit es sie noch schöner macht.

In ihres Herzogs Gnadenblicken Da lacht Zufriedenheit für sie, Vor diesem wollen sie sich bücken, Vor ihm nur beuget sich ihr Knie;

Wie! sollte denn wohl dein Getöse So wahrer Ehrfurcht Einhalt thun? Drum sey doch heute nur nicht böse, Laß die verstockten Winde ruhn.

Sprich: Eolus! du Gott der Winde Aus der Poeten bester Welt! Dieweil ich heut vor gut befinde, Da man ein Lustfest angestellt,

Daß der dir untergebne Osten Sich dießmahl ruhig halten mag, So schlage du an seine Pfosten, Und gieb ihm einen Feyertag.

Ist er nicht mehr zurück zu bringen, Und allbereits zu weit entfernt, So pfeif! befiehl! du mußt ihn zwingen, Daß er einmahl gehorchen lernt.

Beherrscher so beglückter Tage! April! sey diesesmahl geneigt, Daß keine mißvergnügte Klage Sich in den frohen Herzen zeigt.

Der Inselsberg mit allen Hügeln Die als geharnischt um ihn stehn, Wünscht heute selbst sich zu bespiegeln, Und bey der Nacht einmahl zu sehn,

Erzürne nicht den grossen Riesen, Als der vor keiner Wuth erschrickt; Ich weiß wohl eh, daß er vor diesen Schon deiner Wolken Stoß zerdrückt.

Der Friedenstein in seiner Krone Kann dein durchlauchtig Beyspiel seyn, Er sieht von seinem hohen Throne Der Morgenröthe ersten Schein,

Bist du nun Herr des Unbestandes, Und hast drey Tage lang getobt, So zeige bey der Lust des Landes, Daß man dich nach Verdiensten lobt.

Dein Wankelmuth wird nichts bedauren, Wenn du mit heiterem Gesicht Erblickt, was man in diesen Mauren Heut für ein Lachen angericht,

Arm, Reich, Hoch, Niedrig, Alt und Junge, Herr, Frau, Knecht, Magd, er, wir, ihr, sie, Sind allerseits mit vollem Sprunge, Theils unterwegens, theils schon hie.

Ein schön Geschlecht von Jungfern, Frauen, Bey vieler tausend Lampen Schein, Will halb was angenehmes schauen, Halb lieber selbst gesehen seyn,

Gelehrten sollen dunkle Grillen Durch die Erleuchtung schnell vergehn, Zu Hause bleibt Verstand und Willen, Hier giebet es nur was zu sehn.

Die ganze Ritterschaft Poeten, Und meine Brüder im Apoll, Kommt selbsten auch herbeygetreten; Von Wind und von Begeistrung voll,

Wie? würde wohl so theuren Dichtern Der Unmuth nur noch mehr erweckt, Wenn nicht ihr Witz bey so viel Lichtern Sein Endgen Wachsstock angesteckt?

Mit offnem Maul, verschlossnen Ohren, Mit Augen, die verwundernd groß, Steht Stax, er hat sich ganz verlohren, Er lacht! itzt fühlt er einen Stoß,

Er weiß nicht, ob Dianens Pfeile Jhn wieder zu sich selbst gebracht, Er brummt, besieht sich eine Weile, Seht, was er weiter thut! er lacht!

Soll der Erfolg von tausend Dingen Mit dieser angestellten Lust Verderben? Soll ein Händeringen, Ein Feuereifer in der Brust

Die Wirkung dieser Freude werden? April! dieß wäre dir ein Schimpf, Drum ändere bald die Geberden, Verkehre Wuth und Zorn in Glimpf.

So habe denn einmahl das Herze, Verwandle deinen Eigensinn! Sey halb versöhnt! laß uns die Schwärze, Behalt den Ostwind immerhin;

Da sollst du Wunder sehn! erfülle So eines Volkes Wunsch nunmehr! Wie ist mir? ja! es wird schon stille, Nur Pauken und Trompeten her!

Wie? was? welch eine Sausestimme Schwirrt durch die halbbezähmte Luft? Hört! ja! mit halbversohntem Grimme Wird mir anitzo zugeruft!

Volk! sollt es morgen erst geschehen, O Qvell der Lust! erfreue dich! Du siehst Luisen Dorotheen, Und deinen Herzog Friederich.

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