Skip to content
1709–1763

An das Glück.

Christoph Eusebius Suppius

Komm du einmahl mit lachendem Gesichte, Frau! Göttin! wer du bist, die auf der Kugel steht, Uud höre doch mein kühnes Lobgedichte, Wo aber nicht, so werde selbst Poet,

Verdamme mich davor zu deinem Rade, Vertraue mir sogar den Segel an, Laß sehen, ob ich auf dem krummen Pfade Den Lauf zu dir befrachtet richten kann.

Zwar bleibe nur, wie du bisher gewesen, Laß mir mein Saytenspiel, u. sey du Jungfer Glück, Jedoch du kannst nicht meine Lieder lesen, Dich bitt ich auch um keinen Gnadenblick,

Dein Aug hat noch kein Sterblicher gesehen, Sind beyde schwarz? blau? oder wie man will? So halte denn bey dem Fürübergehen, Ich singe dir zu Ehren, halte still!

Ich bin verliebt! du sollst mir Göttin heissen, Die Ehrfurcht betet dich nunmehr poetisch an, Dein Ohr will ich begeistert zu mir reissen, Wie es Horaz

Wer weiß, vielleicht läßt sich dein Herz berücken, Daß es für mich ein wenig Regung spührt, Wenn diesesmahl ein hoffnungsvoll Entzücken Noch eins so schnell so stark die Sayten rührt.

Jhr, deren Zorn und Wuth das Glück gescholten, Wenn es nicht alsobald nach eurem Wunsch gewollt, Euch wird mit Recht auf euren Kopf vergolten, Indem ihr nie erhöret werden sollt,

O Königin! die ihren Wagen lenket, Zugleich belohnt, erhöhet, stürzt und straft, Jedoch nicht so, wie es der Wille lenket, Und nach dem Wunsch der blinden Leidenschaft.

Ich nenne dich den Ausbund aller Dinge, Die nur ein Dichtergeist zur Wirklichkeit gebracht, Glück! das ich noch, wer weiß, entfernt besinge, Vielleicht, indem es sich herzu gemacht,

Verwandle dich, wie diese meine Töne, Nimm einen Leib, so, wie es dir gefällt, Sieh bräunlich aus, sey eine blonde Schöne, Wie du dich sonst Poeten dargestellt.

Wo nicht? so bleib ein Etwas im Gehirne, Wie du bishero dich so mannigfalt gezeigt, Nur werde mir mit einer holden Stirne Ins künftige auch unsichtbar geneigt;

Gebiet einmahl dem ohngefehren Gange, Und kehre doch in meiner Hütten ein, Du kannst nicht fehlen, folge dem Gesange, Und sollt er auch im Traum erhoben seyn.

Gesetzt, dir sind die Augen zugebunden, Gnug, es stoßt dein Geschirr bey keine Hausrath an, Da findest du itzt und zu allen Stunden Noth übrig gnug auf einer leeren Bahn,

Und einen Rock, der hat wohl zwanzig Löcher, Zwey Dichter noch, die sind Horaz, Virgil, An jeder Wand hängt auch ein alter Köcher, Darinne steckt manch stumpfer Federkiel.

Doch, Göttin, oder wie soll ich dich nennen, Dein blosser Zuspruch bringt mir alle Güter mit, Ich werde dich doch wohl am Gruß erkennen, Obgleich dein Fuß die Kugel leise tritt;

Beym Helikon! da will ich erstlich prangen, Weil sich mein Nichts bey dir so wohl befind, Denn will ich jauchzend an zu schreyen fangen, Daß manchmahl auch Poeten glücklich sind.

Sie sind es, ja! nur aber in Gedanken, Als denen nicht allein die Welt zu Dienste steht, Sie schwingen sich auch ausser ihren Schranken, Sein Glücke selbst ist sich schon ein Poet!

Er kann sich selbst sein Eden auferbauen, Er ist es, der mehr Welten möglich macht, Sein Auge kann so manch Geheimniß schauen, Worüber oft die Tugend selbst gelacht.

O Glück! willst du nun nicht den Werth verliehren, Wenn meine Wenigkeit dein Ohngefehr verlacht, Wie so gar schlecht es steht um dein Regieren, Da deine Gunst sich Narren dienstbar macht,

Sie bald erhöht, mit Gütern überschüttet, Und ihnen giebt, was nur ihr Herz begehrt, O! so verleih, was ein Poet dich bittet, Mir werde nur ein fröhlich Herz beschert.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
An das Glück. · Christoph Eusebius Suppius · Poetry Cove