Die Sonne neiget sich in Westen, Und geht den Gegenfüssern auf, Ich armer Mensch! ich weiß am besten Um meinen ganzen Lebenslauf!
Ach! mein Gewissen tröstet nicht! HeRR! geh nicht mit mir ins Gericht! Wie wohl ich dieses Tages Stunden Zu meiner Wohlfahrt angewandt,
Bis sich die Dämmrung eingefunden, Ist GOtt und mir allein bekannt; Bin ich von Schuld und Sünden rein? Das Fleisch spricht ja! der Geist sagt: nein!
Ich hatte früh, bey dem Erwachen, Und als es wiederum getagt, Den Himmel mir zum Freund zu machen, Ein neues Leben zugesagt,
Von alten Sünden abzustehn, Hielt ich es aber auch? wie schön! Es wird mir angst! ach! wie so bange! Jtzt seh ich meiner Sünden Heer!
Und wenn ich an zu rechnen fange, So find ich sie, wie Sand am Meer, O Unglück! hört! ja ja! sie schreyn: Gott wird nunmehro Richter seyn!
Wo soll ich hin vor deinem Geiste, Allgegenwärtiger! wohin? Und wenn ich in die Hölle reiste, Ja, wollt ich in den Himmel fliehn,
So schnell als man gedenken kan, Ich träf Dich allenthalben an. Du bist gerecht! ich muß mich schämen, GoTT, grosser GOtt, du bist gerecht,
Du kannst mir nun den Himmel nehmen, Ich bin der Sünden treuer Knecht, Als der sich selber zuerkennt, Daß unter ihm die Hölle brennt.
Sie brennt! dein Zorn hat sie entzündet, Dein Eifer selbsten angesteckt, Herr! deine Rach ist wohlgegründet, Mein Böslichthun hat sie erweckt,
Und wenn sie itzt mit mir verfährt, Ich bin es leider allzuwerth. Allein Du hast doch auch gesaget: Du seyest voll Barmherzigkeit,
Drum höre, was mein Glaube waget; Mein reuendes Gewissen schreyt: Verschließ die Hölle noch einmahl Vor meiner Sünden grosser Zahl.
Sey gnädig, HErr! ach! Gnade! Gnade! Vertilge meine Missethat! Was in dem ersten Wasserbade Der Sünder angelobet hat,
Versprech ich itzt mit Herz und Mund, Darum erneure jenen Bund. Mit Thränen fall ich Dir zu Fusse, Vergieb, HErr! habe doch Geduld!
Erzürnter Richter! meine Busse Gestehet die gemachte Schuld; Herr! werde Vater! und denn sprich: Mein Sohn, Kind, hat bezahlt für dich.
Laß dieses Trostwort mich empfinden: Geh hin, die Schuld ist ausgethan! Laß deinen Geist mein Herz entzünden, Daß es geläutert werden kann,
Damit es Satan, Fleisch und Welt Nicht wieder in die Grube fällt. Dein gnädig Ohr neig zu dem Liede, Die Andacht, Schöpfer! bringt es Dir,
Denn lieg und schlaf ich sanft im Friede, HeRR! Du alleine hilfst ja mir, Du hast mit mir Vertrag gemacht, Drum hoff ich eine gute Nacht.
Vorhero sey, HErr meiner Tage! Dir noch ein Opfer zubereit, Daß Du für mancher Noth und Plage Mich hast beschützt, davon befreyt;
Welch unaussprechlicher Gewinn! Dein ist, daß ich noch wirklich bin. GoTT, mein Erhalter, ja, mein Leben! Von Dir kommt alle Wohlthat her,
Gesundheit hast Du mir gegeben, Witz, Nahrung, Kleider, ja weit mehr, Als ich erzehlen kann und weiß, Hier ist mein Dank! GOtt! Dir sey Preis!
Hab ich bey manchen Kümmernissen Versorgungs-Mitteln nachgedacht, So hat mein eingeschränktes Wissen Darinnen gar nichts vor sich bracht,
Weil aller Rath, Witz und Verstand Mir mit der Hoffnung oft verschwand. War ich denn manchem Mangel nahe, Ja sah ich keine Rettung mehr,
So wußt ich nicht, wie mir geschahe, Du gabst aus deinem Vorrath her, Die Milde deiner Vorsehung Verschaffete mir alles gnung.
Und so hast Du Dich mir erwiesen, Durch meiner Lebens-Monden Zahl, Dein Nahme sey dafür gepriesen, Mir heißt es ein Gedächtnißmahl,
Dich preis ich mitten im Genuß Dafür, bey jedes Tages Schluß. Bin ich durch dein Erhalten morgen, Mein Ursprung! was ich heute bin,
Gut! so wirst Du auch ferner sorgen, Vor Dir legt meine Noth sich hin, Mein Zustand sey Dir heimgestellt, Gott, richt ihn ein, wie Dir gefällt.
Laß Du mich nur zufrieden bleiben, Und schenke mir Gelassenheit, Auch daß mich nichts von Dir kann treiben, Obgleich Welt, Sünd und Teufel schreyt:
Komm! folge dieser ebnen Bahn, Hier triffst du lauter Frühling an! So laß mich bis ans Ende wallen, Und rufst Du mich, mein HErr, mein GOtt!
Dereinst nach deinem Wohlgefallen, Wenn mich der letzte Feind, der Tod, Auf Erdenbetten ausgestreckt, So halte Du mich zugedeckt.
Dieß bringe mir in die Gedanken, Mein GOtt! so oft es Abend wird, Daß ich von Dir nicht möge wanken, Wenn mich dein guter Geist regiert,
So werd ich dermahleinsten schön Am letzten Morgen auferstehn. HeRR! den die Seraphin erheben, Allwissender! in deiner Hand
Beruht mein Sterben und mein Leben, Und was Du mir sonst zugewandt, Dich preis ich noch, nun schlaf ich ein, Du wirst indessen Hüter seyn.
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