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1817–1888

Weihnachtsabend.

Theodor Storm

Und schaut in des Zimmers Raum: Die Kinder alle tanzten und sangen Um den brennenden Weihnachtsbaum. Da pocht ihm das Herz, daß es will zerspringen;

O, ruft er, laßt mich hinein, Was Frommes, was Fröhliches will ich euch singen Zu dem hellen Kerzenschein. Und die Kinder kommen, die Kinder ziehen

Zur Schwelle den nächtlichen Gast; Still grüßen die Alten, die Jungen umknieen Ihn scheu in geschäftiger Hast. Und er singt: „Weit glänzen da draußen die Lande,

Und locken den Knaben hinaus; Mit klopfender Brust, im Reisegewande Verläßt er das Vaterhaus. Da trägt ihn des Lebens breitere Welle —

Wie war so weit die Welt! Und es findet sich mancher gute Geselle, Der's treulich mit ihm hält. Tief bräunt ihm die Sonne die Blüthe der Wangen

Und der Bart umsprosset das Kinn; Den Knaben, der blond in die Welt gegangen, Wohl nimmer erkennet ihr ihn. Aus goldnen und aus blauen Reben

Es mundet ihm jeder Wein; Und dreister greift er in das Leben Und in die Saiten ein. Und für manche Dirne mit schwarzen Locken

Im Herzen findet er Raum; — Da klingen durch das Land die Glocken, Ihm war's wie ein alter Traum. Wohin er kam, die Kinder sangen,

Die Kinder weit und breit, Die Kerzen brannten, die Stimmlein klangen, Das war die Weihnachtszeit. Da fühlte er, daß er ein Mann geworden;

Hier gehörte er nicht dazu. Hinter den blauen Bergen im Norden Ließ ihm die Heimath nicht Ruh. An die hellen Fenster kam er gegangen

Und schaut' in des Zimmers Raum; Die Schwestern und Brüder tanzten und sangen Ein Christlied am Taxusbaum.“ — Da war es, als würden lebendig die Lieder

Und nahe, der eben noch fern; Um den Taxus tanzten Schwester und Brüder Und sangen ein Lied vom Herrn. Da kann er nicht länger das Herz bezwingen,

Er breitet die Arme aus: „o schließet mich ein in das Preisen und Singen, Ich bin ja der Sohn vom Haus.“

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