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1817–1888

Morgane .

Theodor Storm

Wenn Luft und Fluth zusammenragen Und ohne Regung schläft die See, Dann steht an unserm grauen Strande Das Wunder aus dem Morgenlande,

Morgane, die berufne Fee. Arglistig halb und halb von Sinne, Verschmachtend nach dem Kelch der Minne, Der stets an ihrem Mund versiegt,

Umgaukelt sie des Wandrers Pfade, Und lockt ihn an ein Scheingestade, Das in des Todes Reichen liegt. Von ihrem Zauberspiel geblendet

Ruht manches Haupt in Nacht gewendet Begraben in der Wüste Schlucht ; Denn ihre Liebe ist Verderben, Ihr Hauch ist Gift, ihr Kuß ist Sterben,

Die schönen Augen sind verflucht. So steht sie jetzt im hohen Norden An unsres Meeres dunkeln Borden, So schreibt sie fingernd in den Dunst;

Und quellend aus den luftgen Spuren Erstehn in dämmernden Conturen Die Bilder ihrer argen Kunst. Doch hebt sich nicht wie dort im Süden

Auf rosigen Karyatiden Ein Wundermärchenschloß in's Blau; Nur eines Haubergs graues Bildniß Schwimmt einsam in der Nebelwildniß,

Und keinen lockt der Hexenbau. Bald wechselt sie die dunkle Küste Mit Libyens sonnengelber Wüste Und mit der Tropenwälder Duft;

Dann bläs't sie lachend durch die Hände, Dann schwankt das Haus, und Fach und Wände Verrinnen quirlend in die Luft.

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