Wenn Luft und Fluth zusammenragen
Und ohne Regung schläft die See,
Dann steht an unserm grauen Strande
Das Wunder aus dem Morgenlande,
Morgane, die berufne Fee.
Arglistig halb und halb von Sinne,
Verschmachtend nach dem Kelch der Minne,
Der stets an ihrem Mund versiegt,
Umgaukelt sie des Wandrers Pfade,
Und lockt ihn an ein Scheingestade,
Das in des Todes Reichen liegt.
Von ihrem Zauberspiel geblendet
Ruht manches Haupt in Nacht gewendet
Begraben in der Wüste Schlucht ;
Denn ihre Liebe ist Verderben,
Ihr Hauch ist Gift, ihr Kuß ist Sterben,
Die schönen Augen sind verflucht.
So steht sie jetzt im hohen Norden
An unsres Meeres dunkeln Borden,
So schreibt sie fingernd in den Dunst;
Und quellend aus den luftgen Spuren
Erstehn in dämmernden Conturen
Die Bilder ihrer argen Kunst.
Doch hebt sich nicht wie dort im Süden
Auf rosigen Karyatiden
Ein Wundermärchenschloß in's Blau;
Nur eines Haubergs graues Bildniß
Schwimmt einsam in der Nebelwildniß,
Und keinen lockt der Hexenbau.
Bald wechselt sie die dunkle Küste
Mit Libyens sonnengelber Wüste
Und mit der Tropenwälder Duft;
Dann bläs't sie lachend durch die Hände,
Dann schwankt das Haus, und Fach und Wände
Verrinnen quirlend in die Luft.