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1817–1888

Junge Liebe.

Theodor Storm

Aus eigenem Herzen geboren, Nie besessen, dennoch verloren. Ein Schelmenmund, wie jemals einer war, Ein launisch Kind; doch all' ihr Widerstreben

Bezwingt ihr Herz, das mir so ganz ergeben. Schon lange sitzt sie vor mir, träumerisch Mit ihren Beinchen baumelnd, auf dem Tisch; Nun springt sie auf; an meines Stuhles Lehne

Hängt sie sich, schmollend ob der stummen Scene. „ich liebe dich!“ — „Du bist sehr interessant.“ „ich liebe dich!“ — „Ach das ist längst bekannt! Ich lieb' Geschichten, neu und nicht erfunden —

Erzählst du nicht, ich bin im Nu verschwunden.“ — „so hör'! Jüngst träumte mir“ — — „Das ist nicht wahr!“ — „wahr ist's! Mir träumt', ich sähe auf ein Haar

Dich selbst Straß auf und ab in Prachtgewändern An eines Mannes Arm gemächlich schlendern; Und dieser Mann“ — — „der war?“ — „der war nicht ich!“ —

„du lügst!“ — „Mein Herz, ich sah dich sicherlich — Ihr senktet Aug' in Auge voll Entzücken, Ich stand seitab, gleichgültig deinen Blicken.“ „der Mutter sag ich's!“ ruft das tolle Kind,

„was für ein Traum!“ Da hasch' ich sie geschwind, Und diese frevelhaften Lippen müssen, Was sie verbrochen, ohne Gnade büßen.

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