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1817–1888

I .

Theodor Storm

Liebestrunken sitzt der Ritter; Sprechend blitzen seine Augen, Schweigend ruhen seine Lippen. Am Balkone sitzt die Dame,

Eine goldne Schärpe wirkt sie; Auf den Ritter blickt sie lächelnd, Und mit hellem Klange spricht sie: „denket ihr auf Tod und Schlachten,

Oder sinnt ihr Minnelieder? Wahrlich, eure stumme Weise Bleibt mir unerklärlich, Ritter! Schwört ihr erst in tausend Briefen,

Tausend unerhörte Dinge Hättet ihr für meine Ohren, Und das Herz sei voll zum Springen! Fleht ihr erst in tausend Briefen

Um ein heimlich einsam Stündchen! Wohl, die Stunde ist gekommen — Redet jetzt von tausend Dingen!“ Und der Ritter bricht das Schweigen:

„zürnt mir nicht, o Wonnemilde; Wisset, daß geheimer Zauber Bleiern mir die Zunge bindet. Nur ein Wink aus euren Augen,

Nur ein Wort von euren Lippen, Nur ihr selbst, o meine Herrin, Könnt den argen Bann bezwingen.“

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