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1844

Eine Frühlingsnacht

Theodor Storm

Im Zimmer drinnen ist's so schwül; Der Kranke liegt auf dem heißen Pfühl. Im Fieber hat er die Nacht verbracht; Sein Herz ist müde, sein Auge verwacht.

Er lauscht auf der Stunden rinnenden Sand; Er hält die Uhr in der weißen Hand. Er zählt die Schläge, die sie pickt, Er forschet, wie der Weiser rückt;

Es fragt ihn, ob er noch leb' vielleicht, Wenn der Weiser die schwarze Drei erreicht. Die Wartfrau sitzt geduldig dabei, Harrend, bis alles vorüber sei. –

Schon auf dem Herzen drückt ihn der Tod; Und draußen dämmert das Morgenrot. An die Fenster klettert der Frühlingstag. Mädchen und Vögel werden wach.

Die Erde lacht in Liebesschein, Pfingstglocken läuten das Brautfest ein; Singende Bursche ziehn übers Feld Hinein in die blühende, klingende Welt. –

Und immer stiller wird es drin; Die Alte tritt zum Kranken hin. Der hat die Hände gefaltet dicht; Sie zieht ihm das Laken übers Gesicht.

Dann geht sie fort. Stumm wird's und leer; Und drinnen wacht kein Auge mehr.

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Eine Frühlingsnacht · Theodor Storm · Poetry Cove