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1852

2.

Theodor Storm

Schon war mit seinem Rosenkranz Der Sommer fortgezogen; Es hatte sich die Nachtigall In weiter Welt verflogen.

Im Erker saß ein blasses Weib Und schaute auf die Fliesen; So stille war's: kein Tritt erscholl, Kein Hornruf über die Wiesen.

Der Abendschein alleine ging Vergoldend durch die Halle; Da öffneten die Tore sich Geräuschlos, ohne Schalle.

Da stand an seiner Schwelle Rand Ein Mann in Harm gebrochen; Der sah sie toten Auges an, Kein Wort hat er gesprochen.

Es lag auf ihren Lidern schwer, Sie schlug sie auf mit Mühen; Sie sprang empor, sie schrie so laut, Wie noch kein Herz geschrieen.

Doch als er sprach: „Es reicht kein Ring Um Schwester- und Bruderhände!“ Um stürzte sie den Marmortisch Und schritt an Saales Ende.

Sie warf in seine Arme sich; Doch wer sie bleich zum Sterben. Er sprach: „So ist die Stunde da, Daß beide wir verderben.“

Die Schwester von dem Nacken sein Löste die zarten Hände: „Wir wollen zu Vater und Mutter gehn; Da hat das Leid ein Ende.“

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