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1817–1888

2.

Theodor Storm

Seiner Herrin an der Seite; Von der Schulter glänzt die Schärpe Als ein freundlich Minnezeichen. Sieghaft schlingt er seine Arme

Um den Leib des stolzen Weibes, Unaufhaltsam süße Worte Schwatzt er, und die Dame schweiget. Will zu einem halben Wörtchen

Oeffnen sie der Lippen Zeile, Schließt er ihr den Mund mit Küssen, Und die Dame lauscht und schweiget. „süße Herrin, unerklärlich

Bleibt mir eure stumme Weise! Wollen eure rothen Lippen Gleiches zahlen mir mit Gleichem? Oder lernten diese Lippen

Lieblicher die Zeit vertreiben? Gar behäglich ist das Schwatzen; Doch ein Andres ist gescheidter.“ Draußen auf den Mandelblüthen

Ruht die Nacht im Mondenscheine; Unaufhaltsam schwatzt der Ritter, Und die Dame lauscht und schweiget. Gab sie hin des Blickes Zauber?

Sprach sie aus die Zauberweise? Doch nicht fürder klagt die Dame Ueber ihres Ritters Schweigen.

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