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1775

29. Daphne am Bach

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg

Ich hab' ein Bächlein funden, Vom Städtchen ziemlich weit; Da bin ich manche Stunden In stiller Einsamkeit.

Ich thät mir gleich erkiesen Ein Plätzchen kühles Moos, Da sitz' ich, und da fließen Mir Thränen in den Schoß.

Für dich, für dich nur wallet Mein jugendliches Blut; Doch leise nur erschallet Dein Nam' an dieser Flut.

Ich fürchte, daß mich täusche Ein Lauscher aus der Stadt; Es schreckt mich das Geräusche Von jedem Weidenblatt.

Ich wünsche mir zurücke Den flüchtigsten Genuß; In jedem Augenblicke Fühl' ich den Abschiedskuß.

Es ward mir wohl und bange, Da mich dein Arm umschloß, Da noch auf meine Wange Dein letztes Thränchen floß.

Von meinem Blumenhügel Sah ich dir lange nach; Ich wünschte mir die Flügel Der Täubchen auf dem Dach.

Nun glaub' ich zu vergehen Mit jedem Augenblick! Willst du dein Liebchen sehen, So komme bald zurück!

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