Skip to content
1774

24. Die Träume

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg

Aus süßem Schlummer weckte mich heut Des jungen Tages rötlicher Strahl; Siehe, noch flatterten Träume Um die Scheitel des Wachenden.

Ich will euch täuschen! dacht' ich, und schloß Die Augenlider, streckte den Arm, Atmete tiefer, und lauschte Ihren leisen Bewegungen.

Da schwebt' ein Traum zum horchenden Ohr; Und fernher kam's wie Saitengetön, Tönete näher und näher; Und die Stimme Dorindens war's.

Ein andrer schlich mir zwischen das Haar Der halbgeschloßnen Wimper, und schnell Malte der lächelnde Bube Vor das Auge Dorinden mir.

O weh! nun ward der Täuscher getäuscht, Und träumte liebetrunkner, als je; Bis die Phantome verschwanden, Und die Thräne der Sehnsucht rann!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
24. Die Träume · Friedrich Leopold Graf zu Stolberg · Poetry Cove