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1748–1821

Der Gesang. An Schönborn.

Christian Graf zu Stolberg

Wie dem erwachenden Jünglinge schnell im bräutlichen Bette Seine gaukelnden Träum’ auf nichtigen Flügeln entschwinden;

Sonst umirrten sie, langsam schwebend, weilend im Fluge, Noch sein Haupt, wenn schon der Rosenwangi- gen Stunde,

Und dem erbleichenden Stern der Liebe sein Auge sich aufschloß; Nun verschwinden sie schnell; denn neben sich sieht der Beglückte,

Sein sanftathmendes Weib, in schlummernden Reizen der Jugend, Lieblich wie den thauenden Abend im blumigen Thale.

Ach! sie erwacht! und öfnet Liebeschmachtende Augen, Wonnetrunken begrüßt sie der Blick des feutigen Jünglings,

Wie den erröthenden Mond die flammende Son- ne begrüsset! Wie dem Jünglinge dann die Traumgestalten entflattern,

So enteilen auch mir die bunten Träume des Tages, Und wie Zephyr der hangenden Spinne Gewebe zerwehet,

So entschwindet auch mir das Gewebe geschäfti- ger Stunden, Wenn der Entzückung Sohn, der Gesang, in goldenen Locken,

Tönend, von Harmonien umsäuselt, melodisch einherschwebt!

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