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1748–1821

An Lais.

Christian Graf zu Stolberg

Weil noch leicht, wie ein Nektartraum, Dir das Leben verfliegt; weil noch der lächelnden Hebe Pinsel, in Lebenskraft Eingetauchet, den Mund ähnlich dem Morgenroth,

Rosenwallend die Wange malt; Weil noch täglich dein Blick, hell, wie der Abend- stern, Aber treffend, wie Sirius,

Die hintaumelnde Schaar deiner Gefangnen mehrt; Darum trozest du, thörige Lais, künftiger Zeit, welche die fliegenden

Stunden bringen, Unkundige! Wird dir ewig die Glut schmachtender Jünglinge, Dir die Blässe der Eifersucht Ewig fröhnen? Auch dich werden die Grazien

Einst verlassen! der siegenden Künste jede! Dein Lenz schwindet auf neidender Weste Fittig! bald hauchen sie Deine Blüthen herab! dann wird die bulende

Lais seufzen: ihr rosigen Tage, kommet zurück! aber die rosigen Tage flohen! Verhülle dich, Lais! daß der Triumph deiner Gespielen dich,

Die Moral der Matrone dich Nicht verfolge! der Hohn deiner Entfesselten Dich nicht treffe! denn eisern war Deine Herrschaft! dein Stolz freute der Thrä-

nen sich, Und der blassen Verzweifelung! Nun sind Thränen der Schmuck dieser verwel- kenden

Wangen! Seufzer erheben nun Ungeheissen die Brust! jeden erlöschenden Schimmer deiner gefeierten Augen rüstet die Wuth! Lais, verhülle dich!

Dein ist Schande! Denn eisern war Deine Herrschaft! Dein Stolz freute der Thrä- nen sich Und der blassen Verzweifelung!

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