Weil noch leicht, wie ein Nektartraum,
Dir das Leben verfliegt; weil noch der lächelnden
Hebe Pinsel, in Lebenskraft
Eingetauchet, den Mund ähnlich dem Morgenroth,
Rosenwallend die Wange malt;
Weil noch täglich dein Blick, hell, wie der Abend-
stern,
Aber treffend, wie Sirius,
Die hintaumelnde Schaar deiner Gefangnen
mehrt;
Darum trozest du, thörige
Lais, künftiger Zeit, welche die fliegenden
Stunden bringen, Unkundige!
Wird dir ewig die Glut schmachtender Jünglinge,
Dir die Blässe der Eifersucht
Ewig fröhnen? Auch dich werden die Grazien
Einst verlassen! der siegenden
Künste jede! Dein Lenz schwindet auf neidender
Weste Fittig! bald hauchen sie
Deine Blüthen herab! dann wird die bulende
Lais seufzen: ihr rosigen
Tage, kommet zurück! aber die rosigen
Tage flohen! Verhülle dich,
Lais! daß der Triumph deiner Gespielen dich,
Die Moral der Matrone dich
Nicht verfolge! der Hohn deiner Entfesselten
Dich nicht treffe! denn eisern war
Deine Herrschaft! dein Stolz freute der Thrä-
nen sich,
Und der blassen Verzweifelung!
Nun sind Thränen der Schmuck dieser verwel-
kenden
Wangen! Seufzer erheben nun
Ungeheissen die Brust! jeden erlöschenden
Schimmer deiner gefeierten
Augen rüstet die Wuth! Lais, verhülle dich!
Dein ist Schande! Denn eisern war
Deine Herrschaft! Dein Stolz freute der Thrä-
nen sich
Und der blassen Verzweifelung!