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1748–1821

An die Grazien.

Christian Graf zu Stolberg

Leicht, wie Hauche des Abendwinds, Schwebe leicht, mein Gesang! sanft, wie des Liebenden Kuß von Lippe zu Lippe schwebt!

Wehe Düfte des Lobs, süsser denn Weihrauchs Duft, Zum Altare der Grazien, Junger Blumen Geruch, welche die Muse mir

Jm geheimeren Thale las! Lächelt immer mir zu, stimmet mein Saiten- spiel, Allbelebende Göttinnen!

Lehret meinen Gesang senken vom Himmel sich, In die Quelle der Schönheit sich Tauchen, glänzender dann steigen dem Himmel zu!

Ach, die Blume des Liedes welkt In dem Kranze des Ruhms, wenn sie ein Sterb- licher Mit unheiligen Händen pflückt!

Pflücket ihr sie für mich, daß nicht der silberne Sonnenstralende Morgenthau Jhr entträufle, sie nicht hangend gekräuselte Blätter senke der Erde zu!

Euch soll künftig ein Hain blühender Stauden, euch Meine Quelle geweihet sein, Euch mein moosiges Dach, und die Bewohner

der Stillen Hütte geweihet sein! Suchet ihr mir, und bald, unter den freundlichen Töchtern Deutschlands ein Mädchen aus,

Blau die Augen, ihr Haar golden, und schlank ihr Wuchs, Sanft die Seele, den Augen gleich, Daß sie Priesterin sei eurem Altare, früh,

Wenn ihr röthend die Sonne winkt, Jhr im leichten Gewand flattert die Morgenluft, Und im wallenden Schleierflor! Daß sie Priesterin sei eurem Altare, spät,

Wenn ihr winket der Abendstern, Und der Nachtigall Lied um den Altar ertönt! Wenn ein Kind ihr am Busen hängt, Wird sie weihen das Kind euren Altären; einst

Wird die Tochter, die Enkelin Euch noch singen mein Lied; dann werd’ ich freudiger Greis mit zitternden Thränen noch

Mich am wärmenden Stral sonnen, mit zit- ternder Hand noch rühren mein Saitenspiel, Bis mit Lächeln mein Haupt sanft in die Gru-

be sinkt!

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