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1632–1707

X. Scheiden bringt Leiden.

Kaspar Stieler

Ich bin mein Tage so mit Schmerzen mit Ungedult und weichem Herzen von iener Stat nicht abgereist. Nu ich auff wenig wenig Tage

der süssen Gegend Abschied sage verwirrt sich Herze Muht und Geist. Ich bin ia nicht so hoch empfangen nicht so auff weichen Rosen gangen

mit Gold’ und Silber nicht beschenkt: daß ich mich sollte drum zu sehnen mich so zu Leid und Angst gewehnen. Ein anders ist es das mich krankt.

Wo du es Fama nicht willst sagen mich durch die Mäuler nicht willst tragen will ich es wol vertrauen dir: Es ist Melinde meine Schöne

wornach ich mich so hefftig sehne diß eine dieses mangelt mir. Melinde Ach! du liebe Seele wie hefftig ich mich um dich queele

Ich weiß es daß viel tausend Stähnen viel tausend Seuffzer Leid und Trähnen mein Scheiden dir erwekken muß. Was helffen mich nunmehr die Küsse

die du Melinde mir du süße du Zukker-kind gegeben hast? Nun sind es Würme die mich nagen nun sind es Pfeile die mich plagen.

Ach Lust! wie wirstu so zur Last. Wo etwas nicht mich armen Kranken enthielt die Freude der Gedanken und ich auff Hoffnung nicht gedacht.

ich hätte mein verhaßtes Leben auch vor dem Tode Preiß gegeben und mir den Garauß selbst gemacht. Wie hundertmahl denk’ ich der Stunde

da ich Melind’ an deinem Munde mit halb zerteiltem Geiste lag. Erinnerstu dich wie vor allen nur der mir wolte wolgefallen

wie ich ihn offt zu rühmen pflag. Warum hastu denn nicht Mein Leben mir nu dein Mündchen mit gegeben? diß wäre mir ja noch ein Trost.

Umsonst. Ich muß es alles meiden der Himmel zwinget uns zu scheiden. das Glükk ist allzusehr erboost. Ists müglich: daß es soll geschehen

daß ich werde wieder sehen wie glukklich soll mir sein die Zeit. Laß krösen den mit Golde laben und ienen stehn durch Rom erhaben:

ich werde höher sein erfreut.

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