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1632–1707

ViII. Das kranke Buschgen.

Kaspar Stieler

Buschgen henkt' ihr Häuptchen nieder und ließ herbe Seuffzer gehn die sonst muntern Augen-lieder hatte sie halb offen stehn

wie sie die verzukkten mahlen in Dionen Saalen. Der gehemmte Pulß der Hände wie wenn einer nah’ am Ende

kaum das Herze rühren kan. Jhrer Wangen Rosen blichen Geist und wärme wichen. Seban hatte sich geleget

auff der liebsten Doris Mund und wie ein Verliebter pfleget als dehm alles war vergunnt durfft’ er sich mit tausend Schmäzzen

Ich vermerkte bald die Kreide daß diß treu-verliebte Paar zu des Buschgen stillem Leide einig nur der Anlaß war

drum wolt’ ich sie gleicher massen küssend auch umfassen Bald ward ihr Gesichte helle rötlich ihrer Wangen Saal

Muht und Leben kam zur Stelle doch erseuffzt sie noch einmahl dieses machte daß ich fragte was sie heimlich plagte.

Nichts nicht (sprach sie) mich betrübet daß ich nicht zu Hause bin. Meine Mutter die mich liebet kränket sich in ihrem Sinn

wenn allein ich ohn begleiten geh bey späten Zeiten. Töhricht müst’ ich sein gewesen wenn ich nicht errahten solt’

ihre Krankheit und genesen und was sie von mir gewolt Doch verbarg ich diß mein wissen mit gehäufften Küssen.

Unter diesen Liebes-Freuden fing ich sachtlich zu ihr an: Schönes Kind ach! daß uns beyden: gleiche Lust nicht werden kan

die den zwey Verliebten heute Venus schenkt zur Beute. Wenn es Gottes Wille wäre würde bald gemacht der Kauff

ich ensage keiner Ehre gab sie mir zur Antwort drauff. Und so ward diß scheinsam Lieben küssend unterschrieben.

Doch was kunnte das verschlagen Küssen leschet nicht genug. Jhre Schwermuht abzutragen war auch hier nicht Zeit noch Fug

weil man bey der Lichten brandte uns zu sehr erkandte. Magd wo bleibstu doch so lange Komm und zünd die Fakkel an

denn man in dem dunkeln Gange leichtlich sich vertreten kan. in vergunten Freuden. Fragstu ob ich mit ihr gangen?

freylich. Sollte das nicht sein. Jhr bedrükken und umfangen machten mir den Weg zu klein daß eh wir es kaum vernahmen

wir zur Haußtühr kahmen. Dehm was weiter sich begeben hastu nicht zu forschen nach boht mir an ihr Schlaaff-gemach.

Wär die Mutter nicht gewesen hätte sie genesen.

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