Skip to content
1632–1707

ViI. Seht was die Einbildung nicht tuht.

Kaspar Stieler

Es sagte mir die Flatter-schöne die eingebildte Pusserene: du hast mich lange Zeit geliebt dich lang’ um meine Gunst beworben

darumb hastu dich so betrübt daß du auch neulich bald gestorben. Wie kommt es denn wenn ich dich frage und dir von Nehmen etwas sage

daß du so sonder Antwort bist? das Wort verstarrt dir in dem Munde du must ia nur auß Hinterlist erdenken eine falsche Wunde.

Wie offt hastu nicht nachgelassen ich möchte dich denn einst umb fassen wie prachertstu um einen Kuß das andre wil ich gern verschweigen

daß ich zwar stets gedenken muß darff aber keinem an-es zeigen. Mein (sprach ich) laß mich doch zufrieden die Ursach wird nicht einem ieden

wer alles sagt und wenig denkt der kan sich deinen Freund nicht nennen. Doch soll ichs Zeit-lieb dir entdekken und nichts nicht untern Stuel verstekken

Ich weiß es was ich mündlich sage urteilestu wie ungebühr als Unrecht Falsch und Lügen-klage. Drauff hab’ ich ihr diß zugeschrieben:

Ich kan dich Larve treu nicht lieben ich bin nicht so wie du gesinnt. Ich liebe Tugend Zucht und Treue wär’ ich wie du ein falsches Kind

hätt’ ich vor deinem Strikk nicht Scheue. Der Meineyd ist dir angebohren die Schaam und Zuchthastu verschworen Nur Schminke schönet dein Gesicht.

Die Runzeln köntstu nicht bedekken hättstu die falsche Kreyde nicht den Dekkel deiner schwarzen Flekken. Doch wil ich noch was dein verbleiben

biß mein Verhängnüs mich wird treiben auff ein bequeemers Zielmaaß hin. O wie verdroß es Pusserenen! Ey daß ich auch zu kühne bin

doch auch wer achtt der Flatter-schönen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
ViI. Seht was die Einbildung nicht tuht. · Kaspar Stieler · Poetry Cove