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1632–1707

ViI. Auff ihren Morgen-schlaaff.

Kaspar Stieler

Rubellchen bistu noch nicht wach? Verlaß die weichen Feder-dekken die so viel Göttligkeit verstekken. Ich geh’ allhier der Hoffnung nach

ob ich dich möchte Mein Vergnügen an den Krystallen sehen liegen. Auroren göldnes Rosen-bluht dein Ebenbild der roten Wangen

ist allbereit vorbey gegangen Apollo blizzt in voller Gluht der Handwerksman hat schon verzehret was ihm zum Morgenbrodt gehöret.

Rubellchen schläfft. Sie weiß es nicht daß ich im gehn hier klag’ und reime. Seyd ihr der Warheit Morgen als wie ich um diß Fenster stehe

und sie an-zuerwachen-flehe. Ich schweer es Morfeus daß ich dich wil mehr als alle Götter ehren: wirstu Rubellchen so betöhren

daß sie es gleube kräfftiglich und nach dem Fenster möge rennen des Traumes Außgang zu erkennen. Was meint Jhr? wenn dann ungefehr

Jhr Busem offen möchte stehen und ich die Liljen könnte sehen: Wer wäre glükklicher sagt wer? könnt’ ich den Vorteil so erlauschen

ich wollte nicht mit Paris tauschen. Ja mich kanstu du Lügen Geist du Treumer wol durch sie betriegen: Ich kan fast keine Nacht nicht liegen

Erwach’ ich in dem öden Schatten Rubellchen du bist nicht verliebt Wehn Amors Wüten hält besessen der ruhet so nicht unbetrübt.

Wach auff Rubellchen daß du die meine wollest bleiben.

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