Rubellchen bistu noch nicht wach?
Verlaß die weichen Feder-dekken
die so viel Göttligkeit verstekken.
Ich geh’ allhier der Hoffnung nach
ob ich dich möchte Mein Vergnügen
an den Krystallen sehen liegen.
Auroren göldnes Rosen-bluht
dein Ebenbild der roten Wangen
ist allbereit vorbey gegangen
Apollo blizzt in voller Gluht
der Handwerksman hat schon verzehret
was ihm zum Morgenbrodt gehöret.
Rubellchen schläfft. Sie weiß es nicht
daß ich im gehn hier klag’ und reime.
Seyd ihr der Warheit Morgen
als wie ich um diß Fenster stehe
und sie an-zuerwachen-flehe.
Ich schweer es Morfeus daß ich dich
wil mehr als alle Götter ehren:
wirstu Rubellchen so betöhren
daß sie es gleube kräfftiglich
und nach dem Fenster möge rennen
des Traumes Außgang zu erkennen.
Was meint Jhr? wenn dann ungefehr
Jhr Busem offen möchte stehen
und ich die Liljen könnte sehen:
Wer wäre glükklicher sagt wer?
könnt’ ich den Vorteil so erlauschen
ich wollte nicht mit Paris tauschen.
Ja mich kanstu du Lügen Geist
du Treumer wol durch sie betriegen:
Ich kan fast keine Nacht nicht liegen
Erwach’ ich in dem öden Schatten
Rubellchen du bist nicht verliebt
Wehn Amors Wüten hält besessen
der ruhet so nicht unbetrübt.
Wach auff Rubellchen
daß du die meine wollest bleiben.