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1632–1707

Vi. Vergeblich verwachstu die Liebe.

Kaspar Stieler

Alter ich muß deiner lachen daß du wilt des Amors Gluht durch dein Auffsehn kälter machen Liebe tuht doch wie sie tuht.

Wacht man sie sie birgt ihr Feuer Griffgen sind bey ihr nicht teuer. Du verbeutst und weist nicht was. Sie weiß mich doch wol zu halten

meine schönst’ Argine. Du machst wie du wilst verwalten Wächters Amt. Uns thut nicht weh: daß du uns mit deinem schleichen

manche schöne Lust nimst hin Ich und Sie kan doch erreichen was beliebet unsern Sinn. Magstu wol so viel verhüten

daß ich Sie nicht sprech’ allein. Dein so Argwohn-volles Wüten kan es auch genugsam sein: daß sie mir nicht manches Stündchen

wenn du Gramhafft nicht bist dar gönn’ ihr zartes Wollen mündchen Nu nur hielt’ ich sie umfangen mein Mund küßet’ ihren Mund

Jhre Wangen meine Wangen: Weistu das auff diese Stund’? Ach! was woltestu doch rathen was auff einen Abend spat

in geheim wir beyde tahten als sie mich wie folget baht. Herzgen wo ich so darff nennen dich mein allertrautstes Kind

kanstu meine Brunst erkennen die sich täglich mehr entzündt. Ey so linder meine Flammen laß mich deine Liebste sein.

Jezt sind wir allein beysammen was du wilst räum’ ich dir ein. Drauff entblößte sie die Gassen ihrer weissen Silber-Brust

ach! was gab mir ihr umfassen für viel tausend Götter-Lust Ich drukkt’ ihr Sie mir die Hände und beküßten uns auffs neu.

Wir versprachen sonder Ende uns mit Schwüren stete Treu. Nu was denkstu wenn damahlen ich ihr hätte gut gemacht

was Verliebte können zahlen hättestu sie auch bewacht? darum laß uns nach Vergnügen Alter lieben sonder Wehr

wolt’ ich sie wie dich betriegen: hättstu wol ein Kind noch mehr.

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