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1632–1707

Vi. Uber der Liebsten Tod.

Kaspar Stieler

Ofnet euch ihr Augen-güsse trähnet Blut-gefärbte Flüsse klagt beweinet was ich misse! Meine Freud’ ach! ist verblichen.

Helfft ihr Götter meiner Noht! Schönheit Tugend Zucht ist tod und nach Leten hingewichen. Rauffet euch Jhr Nymfen-schaaren

ungemenschet in den Haaren heulet bey der Leichen-Bahren hüllet euer Angesichte Meine Göttin ist zu nichte.

Amor lesche deine Flammen tritt mit Zyprien zusammen alle Wollust zu verdammen weil das Bild der Treffligkeiten

deiner Fakkel wehrter Zwekk nu ist auß dem Leben weg und mit ihr der Trost der Zeiten. Pflükkt ihr Musen um Permessen

Amaranten und Zypressen die Melposens Zähren nässen wimmert um Asopus Wellen einen kläglichen Gesang

daß der raue Jammer-klang mög’ an Teben wieder gellen. Brecht ihr Wolken donnert schüzzet weil mein Nord-stern ist verblizzet.

Du vergöldtes Radt der Sonnen dunkle deiner Reise Bahn ziehe schwarze Kleider an Lune weil mein Licht verbronnen.

Pfeifft erbärmlich Lufft und Winde Echo ächz es in die Gründe wo ich mich verzweifelt finde diese Faust ist schon gerüstet

mir zutuhn den lezten Stoß. Meine Marter ist zu groß daß mich nicht zuleben lüstet. Hohlt mich ab ihr junge Hirten

beyde soll ein Grab bewirten. Leget uns in grüne Myrten. die das Leben nie geschieden trennet auch die lezte Pflicht

und der Riß der Parzen nicht der sonst alles kan zerglieden. Brechet auß den Marmor-steinen von den allerreinsten einen

drauff soll diese Schrifft erscheinen Die im Leben treu verharret Ach Amor selber eingescharret.

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