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1632–1707

V. Liebes-streit. Gedanken.

Kaspar Stieler

Ich sach mit einer einen scherzen da fiel die Rosilis mir ein. Was? fiel erst Rosilis mir ein als ich die beyde sahe scherzen?

die Rosilis ist allzeit mein und schwebet stets in meinem Herzen. Es schmazzten vier Korallen-Lippen da dacht’ ich auff Rosillen hin.

Dacht’ ich auff ihre Lippen hin als schmazzten vier Korallen Lippen Nein. Lauter Rosen und Rubin Ich sach zwey Liljen-Hände drükken

Ist weisser nicht Rosillen Hand wenn sie die meinen pflegt zu drükken? Nicht Schnee noch Wolle hält Bestand für ihrer Hände silber-blikken.

Ich sach vier Arme sich umfassen Wie? liebt die Rosilis so mich durch ihr besüßtes Arm-umfassen? Die Tugend hat sie mehr bey sich

was übrig wil sie zu-mir-lassen. Es waren in dem Busen Hände: So treib’ ichs mit Rosillen auch. Mein! leidet Rosilis diß auch

und läßt darinnen deine Hände? Rosill’ hat dieses nicht im Brauch Sie sahen sich beyd’ an und lachten: Wer sagt was von der Rosilis

wie ich und Sie zusammen lachten? Ja wenn ich Koridon schon hieß Es war nur ein Gemüht in zweyen: Ja freylich ist sie so gesinnt

es lebt nur ein Geist in uns Zweyen. Ach darüber mich nicht herzlich freuen. Laß andre lachen laß sie klagen

laß herzen scherzen und was mehr. Ich dürff kein Zeugnüß Herze mehr als dein bey meinem hingehn klagen. Rosille liebt mich noch so sehr

als ich beschreiben kan und sagen.

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