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1632–1707

V. Liebe und Aprillen-Wetter.

Kaspar Stieler

Sjsyfus Gebirg' erreichen Tantals Weger-trank erstehn auff dem Schlangen-rad’ erbleichen tausend Martern vor sich sehn:

ist Amors grimme Dienstbarkeit die Kette der bejungten Zeit. Ach daß ich in Frühlings-Jahren muß solchen Zwang erfahren.

Weint nu mit mir die Jhr sahet wie ich vor beglükket stund’ als mein Kind sich zu mir nahet’ und mir boht den Rosen-mund:

Jezt heget sie den Wankel-sinn Meiner Liebe treues Feuer kömmt mir nu schlecht zu steuer. Selbst der Neid hat sich verwundert

wenn der Liebe Funken-gluht in der Liebsten Herzen zundert’ und ihr heiß-entbrannter Muht auff meinen Schwefel häuffig stieß

und Gegen-flammen in mich bließ: Nun ihr Feuer außgegangen vergeh ich für Verlangen. Ach! kein Elend ist zu schäzzen

gegen Liebe die verbleicht kein Beschwernüß und Verlezzen ist das diesem Schmerzen gleicht wenn sich die Gunst verkehrt in Haß

wenn uns der Spott macht sehnend-blaß wenn die Lust uns wird verschlossen der wir so offt genossen. Jezt wird mir nicht einst erleubet

um die dunkle Tühr zu stehn Lunen so die Sternen treibet darff ich nicht vergnüget sehn: Um den sie mich nunmehr verlacht

der Neben-buhler steht zur Wacht um ihn hält der Neides-drache Mord Eyfer Zorn und Rache. Dennoch wil ich ab-nicht-lassen

dennoch lieb’ ich wie vorhin Solt’ ich sie mein Leben hassen ohne die ich Seel-loß bin? Ach! eher müst’ ein kalter Stahl

verhindern solcher Falschheit Wahl. Endlich wird sie mich den Treuen mit Trähnen noch bereuen.

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