Skip to content
1632–1707

N.A.

Kaspar Stieler

Strefon Muster deutscher Gunst Bild der alten Redlichkeiten meine ich mich alsbald vertraut

als der Musen grüner Gipfel erstens ward von mir geschaut. Ob ich deinen Freuden-stand iezt gleich sehen muß von weiten:

Sollte drum die Ferne mir rauben meiner Pflichte Schulden? Nein. Kein Ort in Süd und Westen Ost noch der bestürmte Nord

treibet meine Dienst-gedanken durch die Fluht der Leten fort. Ewig bleib ich dir verknüpft. Weil mich die Gestirne dulden

in der schwachen Unter-welt: will ich die ver- gunnten Blikke der Gelegenheit ergreiffen daß ein ieder- man erfahr'

herzer Strefon daß du mit mir ich mit dir verbunden war daß wir offtermals geteilt Unfall Wolstand Leid und Glükke.

Laß den heilsamen Galen den Hippokrates iezt liegen tuh den ewigen Sennerten und den Zelsus aus der Hand!

Venus die vor wenig Monden dich so längst-gewüntschet band Venus die auch nakt und bloß weiß zu strei- ten krieg- und siegen

pricht dir iezt gewapnet zu aus dem unge- heuren Norden sie bedekket Schild und Degen. Doch mein Damon fürcht dich nicht

sie beweiset wie zuvoren ein verliebtes An- gesicht' und ist in der Musen Zelt fast der Pallas ähn- lich worden.

Sihstu wie sie dir sich neigt wie sie dich ge- horsam küsset wie sie dir den Lorber reichet. Nim es an das erste Zehn

als der erste von den Freunden nim es an und laß dir dehn der sie so hat außgerüst und durch Sie dich freundlich grüsset

auff das nen’ empfohlen sein. Freundschaft die auf Zedern gründen des Bestandes ist bepfälet weiß ich nim- met auch für gut

was ein treues Freund-gemühte mit Pa- pier-geschenken tuht. Nu! ich hab’ es schon erlangt. Jezt komm’ ich auff Pranserminten.

Wo ich Pranserminto dir einigs Zeichen meiner Treue nicht einmal auch spüren ließe: fühlt’ ich bil- lich jenen Brand

der den aus der See halb-iodten aller Welt gemacht bekant. Dreymal bracht Apollens Stern seine Rei- se zu der Neige

dreymal spannt’ er wieder an. So viel Jahre sind verflossen daß du stets üm mich gewesen: Eine Stube nahm uns ein

eine Tafelreicht’ uns Speise Kreuz und Glükk war uns gemein. Was für lehr-bereichte Lust hab’ ich dar bey dir genossen!

Mein Apollo trug sich hoch; merket’ er von dir sich preisen: Meinen armen Hirten-Musen ward der Lorber fast zu schlecht

wenn sie deinen Beyfall hörten: Selbst ich ringer Schäfer Knecht bildte mir den Adel ein lobstu meiner Flöte Weisen.

Als ich nu Pfeiffe tähte; wie hastu dich dar betrübt! dein Gemüht und Freundes-Sinn

gieng auff das erhaltne Leben deines Fili- dors nur hin. Von der Sonnen frühen Tritt biß zur andern Abend-röhte

hieltstu wachend bey mir aus. Keine Wur- zel war so ferne kein berühmtes Kraut so selzam daß auch mitten in der Nacht

wenn die Wolken-brüche rissen und der Luft Geschüzz' erkracht' einig nur zu meinem Heil du nicht williglichst und gerne

(ter Wille hättest mir herzugebracht. Da mich nu der Göt- meinem Leben wiederschenkte nacher Macht vor Recht ergieng

und als wie an einem Faden meines Rah- mens Ehre hieng: Was erwiesestu mir nicht! deiner treuen Schreiben Fülle

dienet mir an Zeugniß statt daß kein stärker Band gewesen Als das Freund du hast geknüpfet. Bildt euch nichts von Damon ein

Griechen laßt das Gunst- verschwiegen sein nü Keiner Treue höher Preiß wird in eurer Schrifft gelesen.

Nun! Jhr Seulen dieses Buchs laßt Euch meine Gunst gefallen bauet pfleget stüzzt und schüzzet (wie Jhr auch gethan zuvor )

Liebt singt ehret diese Venus! denn wird Euer Filidor Trozz dem Lobes-drükker Neid! über dem Ge- stirne wallen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
N.A. · Kaspar Stieler · Poetry Cove