Du bist es edles Fühlen du schönster Sinn allein dehm aller Tichter Kielen zu Dienste sollen sein
und ihm ein Lobmahl sezzen das nicht Gewalt noch Zeit noch Unfall kan verlezzen biß nach der Ewigkeit.
Kommt her ihr Weißheit-Gründer ihr Priester der Natur kommt alle Föbus-Kinder wofern ihr nur der Spur
der Wahrheit nachzugehen ein wenig seid gesinnt: daß fühlen überwindt. Gesicht die Götter-Gabe
bringt manchen zu dem Grabe der sich zusehr vergist in einer Schönen blikken was ich nicht sehen kan
das kan mich nicht bestrikken noch sträfflich reizen an. Das hören bringt offt Schrekken und schafft Uneinigkeit.
Was Mus währt eine kurze Zeit. Ach! manche wird bethöret wenn sie der Rede Tohn
der Junggesellen hönet und kömmt in Spott und Hohn. Geruch ist kaum zunennen Die Rosen-wind nicht kennen
veriaget kein Gestank Ein Mensche kan wol leben und hätt’ ihm nimmermehr das Riechen Lust gegeben.
Bleibt Schmekken denn die Ehr. Dem Wollust-vollem Schmekken dem Lufft Fluht Erde dient dem Vogel’ junge hekken
dem Wald und Wiese grünt umb den der Fischer leget die falschen Reusen ein ists nicht der Beutel feget
und heißt uns kranke sein. In Fühlen nur alleine besteht der Sinnen Grund ohn diesen Leben keine.
Aug Ohren Nase Mund ergreiffen keine Sachen die ihnen Gegend stehn. Was alle Sinnen machen
muß erst durch den geschehn. Du aller Sinnen König nimst gar die Seel’ auch ein der Leib ist dir zu wenig.
bedenkt den Kuß’ allein da das besüßte Rühren der Lippen mehr ergezzt als keiner von den vieren
uns in Vergnügung sezzt. Der Hände drukk das Reiben an unsrer Liebsten Brust und was man nicht darff schreiben
die wolbekannte Lust darum wir alle lieben Guht Leben wagen hin in Kunst und Krieg’ uns üben
ist mehr als aller Sinn. Diß ist es Schaz Rosille daß ich so gern an dir des Fühlens Werk erfülle.
Vergönn mir für und für nur diß bey dir zu üben Geruch Schmakk Sehen Lieben und hassen das Gehör.
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