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1632–1707

Ii. Der Wein erfreuet des Menschen Herz.

Kaspar Stieler

Auff! bringet Wein. Mein Schmerze wil ertränket sein. Der edle Safft der Reben muß mich des grimmen Leids entheben.

Jachus Safft hat manchen Kummer weggerafft: er wird auch mein Verdriessen durch seiner Trauben Blut versüssen.

Spühlt Gläser auß ich soll versuchen ob ein Schmauß mög’ ins Vergessen senken was mich so ungemenscht wil kränken.

Du harte Tühr verfluchet seystu für und für! es müssen deine Pfosten zu ihrem eignem Unheil rosten.

Diespiter es müssen deine Schwellen durch seinen Blizz in stükken schellen. So manche Nacht

hab’ ich umsonst bey dir gewacht und andern groben Hachen läßtu nu knarrend auff-dich machen. Die Rosilis

ist mir bey Tage zwar gewiß: doch stehn zu allen Zeiten die schälen Wächter uns zur Seiten. So bald die Nacht

dem Tag’ ein Ende macht muß ich denn Abschied nehmen denn fängt sich an mein Weh und Grämen. Der Teufel hat

erdacht den schlimmen Raht daß man mit blinden Schlössern die Tühr verwahrt mein Leid zu grössern. Der böse Hund

ist wachsam iede Stund’ er lauschet an der Schwellen mit murren rimpfen und mit bellen. So geh’ ich blind

in blinder Nacht ich armes Kind! und werde niemals eingelassen. Drum her! ihr Freund’ ich muß die Grillen heunt

im Wein zu tode schlagen. Der Teufel möchte so sich plagen! So bringt nu Wein! mein Schmerze wil ertränket sein.

Der edle Safft der Reben

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