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1632–1707

I. Verzweiffelte Liebe.

Kaspar Stieler

Hjer ist das Herz stoß Morta nach der Linken! Parzen-Heer indehm die müden Augen sinken: ist doch schon mein Geist

auß d Du süsses Sterben was wirstu mir vor Ruh erwerben! Acheron!

ich wil auff dir darvon: Was hab’ ich arme zu hoffen sonst als tausend Todes-Müh. Denn hat sie sich die Wilde satt gerochen

wenn der Todt mein all u Stellt das K laßt betrübtes Weinen sein!

Wer Lieben kennet wie sie das arme Leben brennet wird mit Lust das Blut auß warmer Brust

zusamt dem rohtem Herzen sehn auß deß verliebten Bruders Körper gehn. Ach! hätte mich der Lebens-Schwestern eine umgebracht

die erste Nacht als ich noch ohn Vernunfft und kleine an der Mutter sog und mein Elend nicht erwog.

Ist diß der Frommen daß ich zu Jahren bin gekommen und unvergnügt zu sein? Ach Liebe! herber Nater-stich?

Ach böse Liebe wor zu bringstu mich? Doch wird es ihr noch einst vergolten werden: ist gewiß nur Nemesis

alhier und schaut das Tuhn der Erden: ist nur Venus nicht und ihr Amor ein Gedicht. Gedenke Schöne

was ich iezt sterbend dir erwehne Reu und Schmerz wird einst dein eisern Herz ganz unbarmherzig greiffen an.

Denn denke daß du mir es auch getahn.

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