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1632–1707

I. Nacht-Glükk.

Kaspar Stieler

Lyeus hatte mir den Sinn durch seines Safftes Zug benommen ich gieng und wuste nicht wohin indehm war ich zuweit gekommen.

Der bleiche Monden hatte zwar doch wust’ ich recht nicht wo ich war Jhr Götter habet Dank daß ihr mich bracht zu diesem schönen Kinde

ich sach die himmlische Dorinde. Sie hätt’ ihr auffgelöstes Haubt unachtsam auff dem Arme liegen das Haar das meinen Sinn geraubt

Sie zog den süssen Zimmet-Geist bald ein bald haucht sie ihn zurükke was schön und liebwehrt ist und heist So mein’ ich war Andromade

Als Perseus ihr zu Hülffe kahme So die entblößte Zyprie als sie den göldnen Apfel nahme. Diane hatte selbsten Lust

mit dieser Schönheit beyzuschlaffen die auch das Helffenbein kan straffen. Hie stritte bey mir die Begier die Schaam und brünstiges Verlangen:

Der hohe Geist und Ernstligkeit die schlaffend auch nicht von ihr schieden die machten daß ich lange Zeit allein mit Ansehn war zu frieden.

Nicht Argus gab so eben acht auff die ihm auvertraute Kuhe die er mit hundert Augen wacht’: als ich auff ihre süsse Ruhe.

Wie offt scholt’ ich den Traum-Gott auß wenn sie ließ einen Seuffzer hören beförchtend daß durch einen Grauß er ihre Ruhe möchte stören.

Doch liesse mich die Liebe nicht den guten Vorteil so verseumen daß ich ihr Liljen Angesicht nicht rühren solt’ in ihren Träumen.

Dann öffnet’ ich den Busen ihr und weil der Schlaff sie noch umschlossen hab’ ich ein Küßchen oder vier in solcher stillen Nacht genossen.

Diß sach der Eyffer-volle Mohn und ward entrüst ob meinen Freuden. So schöner Liebe reicher Lohn macht auch die Sterne selber neiden.

Er schoß’ ihr einen Demant straal in die verschloßnen Augen-lieder darob erseuffzte sie einmahl und rühret’ ihre Marmor-glieder.

Sie schlug’ die müden Lichter auff die auch die Sonne können hönen Ich dachte schon auff Flucht und Lauff besorgt des Zornes dieser Schönen.

Hab’ Amor Dank und Venus du daß ihr mir damahls Gunst erworben ich were sonst in selbem nu für ihrer Lager-stadt gestorben.

Jhr habt es nur allein gemacht daß Sie mich freundlich angenommen daß sie mich lieblich angelacht und hiesse zu dem Bette kommen.

Zwar sprach sie: durffstu diese Zeit dich mich zusprechen unterwinden? hastu nicht satt Gelegenheit bey Tage dich bey mir zu finden.

Doch drukkte sie mich sanfft an sich und küßte mich zu vielen mahlen da dacht’ ich Elend nicht an dich noch meiner ersten Liebes-Qwaalen.

Halt Bette du nur reinen Mund und sey gleich wie du pflegst verschwiegen und mitten in den Rosen liegen. Ich und Dorinde schweigen auch.

Wirst aber du ein Wort bekennen und ganz zu Staub und Pulver brennen. Wenn einer fragt was mehr geschach So bald Dorinde wurde wach

weil sie mit mir nicht war zufrieden.

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