Skip to content
1669

9. Wahrer Traum

Kaspar Stieler

Ich gieng' einmahl im Traum zu Schiffe die Mele war mit mir mein Kind es bließ der linde Westen-Wind als unser Schiff zu Lande lieffe.

Indehm entstund' ein Schiffgeschrey daß diß das Innland Zypern sey. Als wir das Ufer nu gegrüsset umfieng mich Mel' und sprach zu mir:

Schaz laß uns schauen diß Revier das Tahl so iener Fluß begiesset und hier der Zinnen hohen Schein so fast die Wolken nehmen ein.

Es war der Tempel der Dionen um welchen der Poeten Schaar so manchesmahl bemühet war wo Lieb' und Liebes-Kinder wohnen.

Sein Altertuhm und Göttligkeit verkürzt' uns leichtlich Weg und Zeit. Wir kahmen zu den Marmortühren Kupido ließ uns bükkend ein

die Priesterinnen schrekkt der Schein der meine Schönheit pflegt zu zieren. Sie schrien mit gebeugtem Knie: hier ist die Venus hier ist Sie.

Das Bild der Göttlichen Zytehren verfärbte sich ob dem Altar. Der Hauffe so im Tempel war die Liebes-reizinn zu verehren

rieff läuter: der sonst keiner nicht gebieret Ehre Würd' und Pflicht. Indehm bewegt ich mich im Schlaffe der Traum verschwand Ich wurde wach

und dachte diesem Bilde nach. Sich! (dacht' ich) daher rührt die Straffe. Die Venus macht mir so viel Müh weil Mele schöner ist denn Sie.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
9. Wahrer Traum · Kaspar Stieler · Poetry Cove