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1669

9. Die Schein-keusche

Kaspar Stieler

Gaminde sieht so ernstlich auß sie kan für allen Junggesellen sich so verzumfen stellen wenn sie ihr sprechen zu:

daß man sie vor die keusche Dirne die auß Diespiters Gehirne gebohren halten solt' Ey! keusche Pallas du

weiß auff den Schild ich weiß er macht die Brüder starren macht dich und sie zu Narren. Gaminde Stolze meinstu wol man werd' auff deine Keuschheit bauen?

der geile Schmukk der Pfauen verräht dich wer du bist. Du blössest die begriffnen Brüste die keusche bergen solche Lüste

und gehn beschnürt herein. Wo Keuschheit in dir ist so laß doch einen Flor nur um die Ballen spielen. Nein dir gefällt das Fühlen.

Gaminde liegt zum Fenster auß und spottet aller Jung-gesellen die sich verliebet stellen. Schaut Brüder in die Höh

seht wie Gaminden keusche Wangen im rotem Feuer angegangen beschaut sie forschet nach ob Pallas auch so seh'

ob ihr beernst Gesicht auß roter Menje blinke: das Aas ist roht von Schminke.

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