O herber Todes-stich! O Dornen-wort!
Rosille lebe wol ich reise fort.
O Elend sonder End! O Zentner-Pein!
wird meine Seel' alsdenn auch bey mir sein.
Lebt doch mein Leben so wie todt in mir
da ich mein Rosen-kind bin neben dir.
wo meinen matten Geist dein Geist nicht regt
bin ich ein kalter Leib und unbewegt.
Zerreiß verwirrtes Herz und weiche hin
indehm ich noch bey ihr der Schönen bin.
Der Trauer-seuffzer den sie drüber läst
ist der des Charons Schiff bald überbläst.
Gewünschte Sterbligkeit! besüßte Ruh!
drükkt Sie Rosille mir die Augen zu.
der Liebe lezter Dienst ein kalter Kuß
wird machen daß ich todt auch leben muß.
Was wüntschest aber [du] du Armer so?
wird Rosilis dardurch auch werden froh?
wird ihrer Augen Brunn denn stille stehn
und ihr dein Sterben nicht zu Herzen gehn.
So lebe nu vielmehr denn bleibt noch Trost
(wo dich das Glükke nicht ganz unterstost)
daß einsten Wiederkehr das bring' herein
was dich vor Schmerzen nicht läst deine sein.