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1669

8. Verliebt/ Sinnen-krank

Kaspar Stieler

Dorinde hat mich erst gelehrt der edlen Freyheit abzusagen. Mir war kein Amor je geehrt ein Spott der Venus göldner Wagen.

Ich hielte vor ein Kinder-spiel der Liebenden verbuhltes Küssen die Tugend ein gelehrtes wissen war meines Lebens einigs Ziel.

Nachdehm der schwarzen Augen Straal die Tracht und Anmuht der Dorinden mir meiner Sinnen Ruder stahl weiß ich mich nicht in mir zu finden.

Die Kunst-Lust ein gesunder Raht ist in mir Blinden gantz verschwunden. O der unseelig-bösen Stunden die mich durch Sie verführet hat.

Ich spüre daß die Götter mich um dessentwegen fliehn und hassen: das weiß ich zwar iedoch kan ich diß schlimme Thun nicht unterlassen.

Was mir der Wolstand predigt ein das hör' ich an mit tauben Ohren die Weißheit hat an mir verlohren. Ich muß ich muß verdorben sein.

Was mir an Jungfern meist beliebt haß' ich und straff' es an der Meinen. Das gröste das mich iezt betrübt das mir das Herze machet weinen

ist ihrer Keuschheit reine Zucht von der sie nicht wil abewanken diß macht mir sorgliche Gedanken. Seht was die tolle Liebe sucht!

Der Tag wird mir zur finstern Nacht die Nacht zur Marter Furcht und Zagen ia zu der Helle selbst gemacht so plagen mich die Liebes-Plagen.

Die Nacht verschwindt ich habe nicht ein einigs Blikkchen recht geschlaffen des Tages kan ich auch nichts schaffen so bin ich auff die Lieb' erpicht.

Ach helfft mir helfft wer helffen kan? Ich muß sonst heute noch erkalten Tragt mir Gefängnüß Marter an ich wil es auß- ganz willig -halten.

Kein Kreuz ist in der Welt so schweer als sonder Gegen-Liebe lieben. Solt' ich mich länger so betrüben so wolt' ich eh nicht leben mehr.

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