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8. Urteil sonder Verstand

Kaspar Stieler

Pöfel was soll das bedeuten daß du so Zelinden lobst daß du mit den tummen Leuten wieder meine Schönheit tobst?

Lange Finger weisse Hände Augen als ein Demant-stein göldne Lokken Armen Bände wie der Venus ihre sein.

Rosen-Wangen die Rubinen ihre blässe werffen vor Lippen würdig zubedienen von dem ganzen Sternen-Chor:

Rede so die Pallas heget Freundligkeit der Charitinn Tugend so Alzesten schläget Ikars Tochter keuscher Sinn:

Pöfel kanstu so beschreiben deine Larve wie ich tuh'? als du wilst die Warheit treiben und nicht stimmst dem Scheine zu:

dürffstu diß nicht von Zelinden dem Tebaner Wunderthier dich zu rühmen unterwinden die nur Schminke trägt an ihr.

Aller Tugend Bild Rosille aller Schönheit Trozz und Schimpff meine Fromme meine Stille nimt zwar dieses an im Glimpff'

Aber ich wil sie beschüzzen weil die kluge Dinte fleußt: meine Feder soll sie stüzzen weil sie Lob und Ehre preist.

Diß sey dir zum Ruhm gesezzet Rosilis mein schönstes Pfand. Lach es was der Neid verlezzet durch den groben Unverstand.

Sollt' Itonis auff der Erden in Astarten Schönheit stehn: müste sie getadelt werden und durch Pöfels Rachen gehn.

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