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1669

8. Felder-Freyheit

Kaspar Stieler

Die Freud' hat sich auffs Land begeben. Was mach' ich in der Stadt? Ein Narr ist der allhier zu leben sich überredet hat.

Auff! spannet an den leichten Wagen ich wil hin zu Rosillen jagen. Das Lach-gesicht der Charitinnen gibt ihr ein Lust-geleit.

Auff! trag mich Pegasus von hinnen zu ihrer Freundligkeit was acht' ich dieser öden Gassen wenn sie die Rosilis nicht fassen?

Selbst Venus wil zur Hirtin werden nu sie der Schaffe wacht. Der Amor fleuget um die Heerden und treibet ein zu Nacht.

Er weiß mit melken umzugehen und lernt den schlanken Drüschel drehen. Sollt' ich mich denn des Pflügens schämen wenn sie mir Essen bringt

mich um die Bauren-Arbeit grämen wenn sie zu Abend singt ein Lied das jene frohe Felder der Echo schikken in die Wälder?

Iezt brennt der Sonnen heisse Kerze im wildem Hundes-stern: Was acht' ich Hizze schrunden schwerze? ist nur mein Kind nicht fern.

Bey Ihr und ihres Hamels Glokke schmekkt mir was ich in Wasser brokke. Zu Delfos schwieg die Pyte stille als Föbus war entbrannt

Ihm liebt' Admetus Schaaff-gebrülle als Amor ihn verband: Auß Liebe pflegt ein Gott der Heerden; sollt' ich denn nicht ein Schäffer werden?

Um Rosilis um meine Schöne? um welch' ich eine Stat nicht nur besondern alles höne was Wäll' und Mauren hat.

Weg Memfis weg! weg alle Schlösser! Rosillen Bauren-Hauß ist grösser. Die alte Welt wohnt' in den Hütten und aß die Eichel-nuß

Ihr Trunk stund' allen in der Mitten ein Brunn und heller Fluß da hat sich Fillis beygesezzet und frey mit Koridon ergezzet.

Da war kein Hüter der die Pforten in harte Riegel schloß die Freyheit war an allen Orten in ihrer Freyheit groß

Es liebt' und herzte sich ein Ieder. Kommt ihr Gebräuche kommt doch wieder.

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