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6. Uber der Liebsten Tod

Kaspar Stieler

Ofnet euch ihr Augen-güsse trähnet Blut-gefärbte Flüsse klagt beweinet was ich misse! Meine Freud' ach! ist verblichen.

Helfft ihr Götter meiner Noht! Schönheit Tugend Zucht ist tod und nach Leten hingewichen. Rauffet euch Ihr Nymfen-schaaren

ungemenschet in den Haaren heulet bey der Leichen-Bahren hüllet euer Angesichte schlaget auff die blosse Brust

saget Abschied aller Lust Meine Göttin ist zu nichte. Amor lesche deine Flammen tritt mit Zyprien zusammen

alle Wollust zu verdammen weil das Bild der Treffligkeiten deiner Fakkel wehrter Zwekk nu ist auß dem Leben weg

und mit ihr der Trost der Zeiten. Pflükkt ihr Musen um Permessen Amaranten und Zypressen die Melposens Zähren nässen

wimmert um Asopus Wellen einen kläglichen Gesang daß der raue Jammer-klang mög' an Teben wieder gellen.

Brecht ihr Wolken donnert schüzzet schwizzet ganze Seen schwizzet weil mein Nord-stern ist verblizzet. Du vergöldtes Radt der Sonnen

dunkle deiner Reise Bahn ziehe schwarze Kleider an Lune weil mein Licht verbronnen. Pfeifft erbärmlich Lufft und Winde

Echo ächz es in die Gründe wo ich mich verzweifelt finde! diese Faust ist schon gerüstet mir zuthun den lezten Stoß.

Meine Marter ist zu groß daß mich nicht zuleben lüstet. Hohlt mich ab ihr junge Hirten beyde soll ein Grab bewirten.

Leget uns in grüne Myrten. die das Leben nie geschieden trennet auch die lezte Pflicht und der Riß der Parzen nicht

der sonst alles kan zerglieden. Brechet auß den Marmor-steinen von den allerreinsten einen drauff soll diese Schrifft erscheinen:

Die im Leben treu verharret stets ein Geist und eine Seel' Ach! die hat in diese Höl' Amor selber eingescharret.

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