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6. Klugheit verbirgt die Liebe

Kaspar Stieler

Es ist genug der Hände drükken der Füsse Tritt der Augen nikken wenn Büschgen wir bey Leuten sind. Hör auff mit weitern Liebes Werken

man wil es fast zu scheinbar merken daß wir uns lieben gutes Kind. Sind wir denn in geheim beysammen so luffte frey die heisse Flammen

bin ich doch Närrchen allzeit dein Denn können wir uns satt zu küssen und was wir ie zuweilen missen mit Wucher wieder bringen ein.

Mein Buschgen kennstu nicht die Leute? der dir ganz freundlich steht zur Seite gibt achtung auff dich als ein Feind. Die sich am nächsten um dich stellen

sind deines Nahmens Ruhm zu fällen verräht- und mörderlich gemeint. Man kan sich nicht genugsam hüten straks ist des Neiders Gifft und wüten

auff Lieb' und Freundschafft für der Tühr. Man muß iezt gar gelinde gehen es weiß ein Luchs-aug' auch zu sehen stellt man ihm gleich nicht Brillen für.

Ich werd' es nicht für übel deuten ob du mich gleich ie für den Leuten verhaßt und heist mich von dir gehn. Ein Spöttchen kan ich leicht verschmerzen

lästu mich nur in deinem Herzen für deinen Freund und Schaz bestehn. Drum sey genug dir Hände drükken der Füsse Tritt der Augen nikken

wenn Büschgen wir bey Leuten sind. Wer weiß ob nicht auß diesen Werken die schlauen Neider ab- was -merken daß wir uns lieben gutes Kind.

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