Als ich auf meiner Liebsten Mund (ach sanfte Ruhstat!) brünstig lage und meiner Schmerzen herbe Plage ihr täht' auß ganzem Herzen kund
wie ich so oft um ihrentwegen Ruh- trost- und Sinnen-ohn gelegen. Mein (sprach sie) Herzgen sage doch: zu welcher Zeit du bist entbronnen
und wodurch du mich lieb gewonnen: Wo ich mich recht entsinne noch hastu auch gar für wenig Wochen kalt-sinnig dich mit mir besprochen:
Da ich doch als zum ersten mahl ich dich nur obenhin erblikket durch deine Freyheit blieb bestrikket. diß war nur meine gröste Qvaal
die auch die Götter kan betrüben dich sonder Gegen-Liebe lieben. Gott weiß wie mir zu muhte war auf die so unverhoffte Frage
vermischt von Zorn Verweiß und Klage die meinen Undank machten klar! Die Schaam so ich daher empfunde nahm Red' und Antwort meinem Munde.
Ich ward verstarret kalt erblaßt wie dem die Seele kaum sich reget: biß auß Erbarmnüß sie beweget mich in die schlanken Arme fasst'
Ach! da ward mir gemach das Leben Kraft Geist und Wärme wieder geben. Im küssen fing sie an noch mehr mich bey der Fakkel zubeschweeren
die unser' Herzen kan versehren: Sag an (bistu mir gut) wann ehr du angefangen mich zu lieben und waß darzu dich erst getrieben.
Ach! frage nicht nach meiner Gluht (sprach ich was frischer) Eyß und Winde sind meiner Flammen Angezünde. Du weist es wie auf jener Fluht
von kalter Norden-luft gestanden ich lag in deiner Arme Banden. Wie ich dich von dem Wagen nahm und küßte die gefrorne Wangen:
Bald hat mein Herze Gluht gefangen. Das Feuer so auß Kälte kahm straalt sint der Zeit mit tausent Flammen ob meines Lebens Rest zusammen.
Nun (sagt sie) hat ein kalter Kuß dich bracht in Feuer Hizz' und Leiden; weiß ich daß Kühlung Lust und Freuden ein Warmer dir erwekken muß.
Der hat sie mir so viel erteilet so daß ich ziemlich bin geheilet.
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