Solt' ich den Tod nicht frölich leiden?
Rosille weint ob meinem Scheiden
sie liebt mich da die Seel' entfährt
und in die fernen Felder kehrt.
In Noht und Jammer sehen trübe:
hieran erkennt man wahre Liebe
die mit in Freuden lustig war
traurt nu bey meines Bettes Bahr.
Ihr Wolken-bruch der Trähnen-güsse
macht über meinem Körper Flüsse
dem Körper der sein Blüht verläßt
und iezt den Athem auß sich bläst.
Die Lieb' ist schlecht und kaum zu nennen:
Nur lieben weil die Augen brennen
weil noch die Stirn ermuntert sieht
und alles Rosenfärbig blüht.
Ich lieg' allhier auff so viel Wochen
mein Leib ist lauter dürre Knochen
der Lippen Purpur blässet weiß
der arme Band ist Todten-eyß.
Ich bin nicht mehr ein Mensch zu nennen
mich meiden alle die mich kennen
Rosille bleibt bey mir und wacht
so manche manche manche Nacht.
O Treu-Exempel! Gunst-gemerke
O Muster wahrer Liebes-Werke!
Rosill' hält biß zur lezten Noht
und wünscht vor mich ihr selbst den Todt.
Wie kan ich Freundin diß vergelten
indehm ich folge den Gewälten
die ieder Mensch vom Sternen-fluß'
ohn allen Einspruch dulden muß.
Ich wil in deiner Seele leben
mein Schatten soll stets um dich schweben
biß du auch auß dem Leben fährst
und deine Seele mir gewährst.
Indessen sollen diese Zeilen
so lange deine Schmerzen heilen
es soll diß treue Zeuge-blatt
der Nachwelt rühmen deine Taht.