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4. Noht prüfet die Liebe

Kaspar Stieler

Solt' ich den Tod nicht frölich leiden? Rosille weint ob meinem Scheiden sie liebt mich da die Seel' entfährt und in die fernen Felder kehrt.

In Noht und Jammer sehen trübe: hieran erkennt man wahre Liebe die mit in Freuden lustig war traurt nu bey meines Bettes Bahr.

Ihr Wolken-bruch der Trähnen-güsse macht über meinem Körper Flüsse dem Körper der sein Blüht verläßt und iezt den Athem auß sich bläst.

Die Lieb' ist schlecht und kaum zu nennen: Nur lieben weil die Augen brennen weil noch die Stirn ermuntert sieht und alles Rosenfärbig blüht.

Ich lieg' allhier auff so viel Wochen mein Leib ist lauter dürre Knochen der Lippen Purpur blässet weiß der arme Band ist Todten-eyß.

Ich bin nicht mehr ein Mensch zu nennen mich meiden alle die mich kennen Rosille bleibt bey mir und wacht so manche manche manche Nacht.

O Treu-Exempel! Gunst-gemerke O Muster wahrer Liebes-Werke! Rosill' hält biß zur lezten Noht und wünscht vor mich ihr selbst den Todt.

Wie kan ich Freundin diß vergelten indehm ich folge den Gewälten die ieder Mensch vom Sternen-fluß' ohn allen Einspruch dulden muß.

Ich wil in deiner Seele leben mein Schatten soll stets um dich schweben biß du auch auß dem Leben fährst und deine Seele mir gewährst.

Indessen sollen diese Zeilen so lange deine Schmerzen heilen es soll diß treue Zeuge-blatt der Nachwelt rühmen deine Taht.

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