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1669

4. Nacht-Lied

Kaspar Stieler

Du blasser Mohn weistu auch was darvon daß ich hie unten klage? Du silber-heer

schaustu auch [auff] mein Meer der Trähnen-Plage? Das weisse Licht der Sternen achtet nicht

mein unerträglichs Leiden: sonst würd' ihr Guß verwandeln diesen Fluß in Lust und Freuden.

Wie offters trug der trüben Wolken-zug Erbarmnüß mit mir Schwachen! Mein Schmerzen-Lied

Künt' ihr bewegt Gemüht' auch weinend machen. Der Himmel riß' auff mein Bekümmernüß

mit Hagel und mit Schlossen weil meine Brunst von der Geliebten Gunst wurd' außgestossen.

Latern und Licht entdekket mich nur nicht! kehrt ab das Judas-Feuer. Schaut mir nicht nach

ihr Leute was ich mach' ich armer Freyer. Geht mich vorbey und fragt nicht wer ich sey

doch wird mich wer erkennen: Der werde stumm. ich wil mich hier kurz um nicht lassen nennen.

Schweert und beteurt bey Ammon der da feurt mit Blizz und Donner-schlägen: es sey niemand

als der euch unbekant gewest zugegen. So wüntsch' ich euch daß ihr in Amors Reich'

erfreuet möget wohnen. Es fall' euch Ruh Lust und Vergnügen zu bey der Dionen!

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4. Nacht-Lied · Kaspar Stieler · Poetry Cove