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3. Liebe/ Sinnen-raub

Kaspar Stieler

Mein Lieb baht mich in einen Garten wo der verliebte Westenwind der Floren pfleget auffzuwarten die Lufft war fahl Apollens Kind

der Tag begunnte gleich zu sterben und seine Schönheit zu verfärben. Kaum war ich dar hinein gegangen so neigte sich der Sternen Heer

Diktinna bläßte Licht und Wangen und Hesperus wich in das Meer. Der schwarze Schatten wurd' erhellet und in den göldnen Tag verstellet.

Warum? Rosille meine Wonne kahm durch den grünen Busch herein Ihr hätte selbst die klare Sonne gewichen und den Demant-schein

durch ihre Straalen überwogen auß Schaam mit Wolken-tuch umzogen. Die Venus ging in ihren Schritten Aglajen war ihr Außsehn gleich

Es straalt' auß ihren holden Sitten des Amors ganzes Königreich: Lust Liebe Freundligkeit und Leben den treu-verliebten nur gegeben.

Sie rührte mit den Seiden-Händen mich ihren Lieben sachtlich an. Ich glaube nicht daß in den Bänden des Himmels mehre Lust sein kan.

Mich dünkt ich fühle noch verzükket wie sie an ihre Brust mich drükket. Ach Schau-plaz aller Liebligkeiten erhabne Brust der Götter Saal

wo Freud' und Schönheit sich begleiten und du du süsses Liljen-Tahl wie gern wolt' ich in deinen Gründen Adonis gleich mein Ende finden.

Sonst weiß ich weiter nicht zusagen was mir ihr süsser Zukkermund damahl auß Liebe fürgetragen. Euch Bäumen nur euch ist es kund

euch ist es kund ihr Blumen-Matten die ihr es hörtet durch den Schatten. Die Lust so überhäufft sich findet benimmt uns des Gedenkens Krafft.

Ie mehr sich Amors Gluht entzündet ie mehr Verstand wird hingerafft. Mein Sinn war dunkel gleich den Blinden und kunte sich in sich nicht finden.

O süsser wahnwiz! ach! wie gerne wolt' ich noch iezt so rasend sein. Diß ist die Seeligkeit der Sterne und aller Götter insgemein:

daß sie in Wollust so verführet nicht merken wenn sie Schmerzen rühret. Nu ich bin meiner Sinnen Meister und weiß es was mich labt und kränkt:

betrüben sich die Lebens-Geister die Seel' ist wie in Turn versenkt den Turn wo Einsamkeit wo grausen und nichtiges Verlangen hausen.

Nur trösten mich die Freuden immer die ich bey Rosilen gehabt. Du Lust-Ort des Priapus Zimmer dein Blumwerk müsse sein gelabt

dafür mit ewig warmen Lenzen und angenehmen Sonnen-glänzen.

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